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75 Jahre Sudetendeutsche aus Herzogwald in Allendorf

Flüchtlinge und Heimatvertriebene verändern auch das religiöse das Leben  in Allendorf

 

Bis zur Ankunft der Flüchtlinge und Heimatvertrieben im Jahre 1946 gehörten die Einwohner in Allendorf überwiegend der evangelischen Religion an. Die rund 530 geflüchteten und vertriebenen Neubürger waren überwiegend römisch-katholisch Glaubens und begingen daher den Fronleichnamstag feierlich.

Die Fotos zeigen die Fronleichnamsprozession im Jahre 1946 mit Pfarrer Gröger an vier Stationen.

 

Das tchechische Wort Lesy bedeutet Wald auf Deutsch

 

75. Jahrestag der Ankunft der Heimatvertriebenen aus Herzogwald in Allendorf

Es ist ein Gedenktag, an den auch in Coronazeiten erinnert werden muss. Er bietet Anlass zum Innehalten und einem Blick zurück auf 75 Jahre Vertreibung und Flucht.

Bei Kriegsende spielte sich an der Ostgrenze ein Drama ab, das man an die Verbrechen der Kriegsjahre gleichwertig anfügen kann: Die Vertreibung der Ost- und Westpreußen, der Pommern, der Schlesier und der Bewohner des Sudetenlandes aus ihrer angestammten Heimat! Nur mit dem Allernötigsten ausgerüstet, mussten sie alles, was sie besaßen, im Stich lassen und den Weg in eine ungewisse Zukunft antreten. Zweieinhalb Millionen sind dabei umgekommen, verhungert, erfroren oder auch sonstige grausame Weise ums Leben gekommen.

Von 1945 bis 1946 kamen rund 550 000 deutsche Heimatvertriebene nach Hessen. Rund 530 Heimatvertriebene und Flüchtlinge kamen nach Allendorf, deren Unterbringung und Versorgung mit dem Nötigsten, eine kaum zu bewältigende Aufgabe für die Verantwortlichen. Allein 120 Personen, die am 7. Mai 1946 in Allendorf eintrafen, kamen aus Herzogwald, Kreis Bärn im Sudetenland. Die Herzogwälder waren, damit die größte Gruppe unter den Neubürgern.

Herzogwald, ein kleiner Ort im Kreis Bärn des Ostsudetenlandes mit 629 Einwohnern im Jahre 1946, ist auf neuen Landkarten in mehr zu finden. Ehemalige Bewohner mussten 1983 bei ihrem Besuch in der alten Heimat die leidvolle Erfahrung sammeln, dass fast nichts mehr an das ehemals schmucke Dörfchen erinnert, nach dem auch die Kirche abgebrochen und der Friedhof eingeebnet wurde. Anstelle der ehemaligen Ortsschilder stehen Schilder mit der Aufschrift „Lesy“, was übersetzt „Wald“ bedeutet.

Der 25. April 1946 war der Anfang vom Ende Herzogswald. Die Tschechen ordneten auf der Grundlage des „Potsdamer Abkommens“ die Ausweisung aller Deutschen und damit aller Bewohner an. Die Deportation erfolgte in mehreren Transporten mit den Zielen Gießen (Zuweisung in Allendorf und Langsdorf), Traunstein, Augsburg und Neuburg (Donau), Frankenberg (Eder), Korbach (Waldeck) sowie in den Main-Taunus-Kreis.

Der erste Transport verließ am 26. April 1946 Herzogwald und erreichte am 7. Mai 1946 Allendorf (Lumda). Die meisten der 120 Personen fanden hier eine neue Heimat. In den ersten Jahren nach der Vertreibung litt insbesondere die ältere Generation unter den Heimatvertriebenen unter der unmenschlichen Vertreibung und dem Verlust der Heimat. Viele von ihnen glaubten an eine Heimkehr. Trotzdem fingen bereits 1948 Herzogwälder an, in Allendorf Eigenheime in der Waldstraße zu bauen.

Am Vorabend zum 36. Jahrestag (6.5.1982) der Einweisung in Allendorf pflanzten einige ehemalige Herzogwälder gemeinsam mit Bürgermeister Walter Deissmann eine Linde auf der Hombergwiese als lebendige Erinnerung an die verlorene Heimat. Gleichzeitig sollte damit die enge Verbundenheit der Stadt Allendorf mit dem Schicksal der Herzogwälder dokumentiert werden. Vom Standort des Lindenbaumes blickt man ungehindert auf die ersten Eigenheime der ehemaligen Herzogwälder. Frau Ottilie Stein geb. Richter (+), die durch die Vertreibung als junges Mädchen nach Allendorf kam und viele Jahre hier lebte, verfasste zu diesem Anlass das nachstehende Gedicht:

„Die Kraft des Baumes ist in uns geblieben,

doch mit ihr auch die Sehnsucht nach dem Land,

aus dem wir vor Jahrzehnten schon vertrieben,

wo schon die Wiege unsrer Ahnen stand.

 

Die zähen Wurzeln halfen uns ertragen

den Schmerz, das Leid, das man uns zugefügt,

den Abschied von den schönen Kindertagen,

und von der Heimat, die wir so geliebt.

 

Der junge Baum, den wir hier pflanzen durften,

er soll uns Sinnbild und auch Mahnung sein,

die alte Heimat niemals zu vergessen

und dennoch an der neuen sich zu erfreu´n.

 

Wir haben Heimat hier erneut gefunden

und so besiegt den allergrößten Schmerz,

denn nicht umsonst heißt es, die Zeit heilt Wunden,

und wandelbar ist jedes Menschen Herz.

 

Auch dieses Stückchen Erde kann man lieben,

und danken wollen wir an jedem Tag

auch dafür, dass die Hoffnung uns geblieben,

ganz gleich wie tief das Schicksal schürfen mag.“

Die ersten offiziellen Treffen der Herzogwälder fand am 30. und 31. Mai 1982 im Allendorfer Bürgerhaus statt. Frau Ottilie Stein hatte mit einigen Helfern das Wiedersehensfest vortrefflich organisiert. Aus allen Teilen der Bundesrepublik waren die Heimatvertriebenen angereist, um Erinnerungen auszutauschen, alte Freundschaften aufzufrischen und neue zu schließen. Höhepunkt der Veranstaltung war die offizielle Besiegelung der Patenschaft zwischen der Stadt Allendorf und der Herzogwälder Dorfgemeinschaft mit der Unterzeichnung der Urkunde am 30. Mai 1982. An die vierzigjährige Wiederkehr der Ausweisung erinnerten die ehemaligen Herzogwälder am 16. und 17. August 1986, wiederum organisiert von Ottilie Stein und ihrer „Mannschaft“.

Eine Gedenkveranstaltung zum 70. Jahrestag der Ankunft der Heimatvertrieben aus Herzog- wald fand am 8. Mai 2016 statt. Die Vertreibung und das Finden einer neuen Heimat bildeten einen tiefen Einschnitt im Leben sowohl der Vertriebenen als auch der Ortsansässigen. Zum Rückblick auf diese schwere Zeit hatte der Heimat- und Verkehrsverein in die Remise des Allendorfer Heimatmuseums eingeladen. Mit einem Vortrag erinnerte Prof. Heribert Rück an das Schicksal der Deutschen in Böhmen und Mähren und las aus seinem Buch „Wege und Zeichen - eine Jugend im Sudetenland“. Die Lesung über Heimatvertriebene war in dieser Ausführung in der Remise einmalig. Noch zu keiner Zeit hatte Prof. Heribert Rück einen Vortrag über die Heimatvertriebene in dieser Art gemacht. Ottilie Stein, Christa Hantschel und Marianne Leipold, drei weitere Zeitzeuginnen, die als Jugendliche und Kinder nach Allendorf kamen, schilderten ihr trauriges und schweres Schicksal. Sie berichteten über ihre Flucht und Vertreibung und die Aufnahme im Lumdatal, die nicht immer mit offenen Armen geschehen war. Noch immer wirken diese traumatischen Erlebnisse nach.

Die geistliche Ansprache hielt Pfarrer Tobias Lenhard von der freien evangelischen Gemeinde Lumdatal. Dr. Engels, Vorsitzender des katholischen Pfarrgemeinderates und die Allendorfer Bürgermeisterin Annette Bergen-Krause sprachen Grußworte. Den äußeren Rahmen für die Erinnerungsveranstaltung bildete eine Ausstellung mit Dokumenten, Fotos und Zeugnisse zum Thema Flucht und der Vertreibung aus Herzogwald.

Rechtzeitig zum 75. Jahrestag der Ankunft der heimatvertriebenen aus Herzogwald in Allendorf wurde der Grabstein am Allendorfer Heimatmuseum von Josef Waschke, Oberlehrer und seiner Ehefrau Anastasia Waschke geb. Kuhn restauriert. Ein Vorhaben, das insbesondere auf die Initiative von Frau Ottilie Stein, bis zuletzt Ortsbetreuerin für Herzogwald, zurückzuführen ist. Leider hat sie die Fertigstellung nicht mehr erlebt.

Josef Waschke wurde 1891 in Herzogwald geboren. Nach dem Lehramtsstudium in Brünn wurde er Lehrer in Herzogwald, später Oberlehrer. In der Ehe mit seiner Frau Anastasia wurden drei Kinder geboren, Josef, Anastasia und Isolde. Zum Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die Familie aus der Heimat vertrieben. Am 7. Mai 1946 kam die fünfköpfige Familie zusammen mit vielen anderen Herzogwäldern in Allendorf an. Zunächst wurdener Familie Waschke zwei Zimmer in der Pirrmühle zugewiesen.

Eine Anstellung im Lehramt war vorerst nicht möglich, so übte Josef Waschke die Stelle des Stadtschreibers in Allendorf aus. Später bekam er erfreulicher Weise die Zusage als Lehrer in Beltershain. Hier war er bis zu seiner Pensionierung Anfang der 1950er Jahre tätig. Bereits Anfang der 1950er Jahre baute er zusammen mit Tochter Isolde und Schwiegersohn Gerhard Polzer ein Siedlungshaus in der Waldstraße in Allendorf. Nach dem Einzug 1954 verstarb Josef Waschke plötzlich, seine Ehefrau Anastasia folgte ihm 1966. Verblieben sind neun Enkel, von denen noch sieben leben. Zwei davon wohnen in Allendorf.

Trotz schwieriger finanzieller Verhältnisse nach Vertreibung und Aufbau einer neuen Existenz in Allendorf und dem Neubau eines Eigenheimes, beauftragte die Familie zum Andenken an den Verstorbenen die Fertigung eines individuellen künstlerischen Grabmals bei dem bekannten Bildhauer und Maler H.W. Arnold. Der Künstler hat Josef Waschke als Lehrer mit einem Schulkind auf dem Grabmal dargestellt. Nachdem die Grabstelle auf dem Allendorfer Friedhof abgeräumt werden musste, hat der Heimat- und Verkehrsverein vor einigen Jahren den Gedenkstein wegen seiner Besonderheit sichergestellt und am Museum anbringen lassen. Angedacht ist weiter eine Bronzetafel am Museum anzubringen, die an die Ankunft der heimatvertriebenen Herzogwälder am 7. Mai 1946 in Allendorf erinnert.

Heute leben noch etwa 10 Herzogwälder in Allendorf, die am 7. Mai 1946 als Kinder bzw. Jugendliche zusammen mit ihren Angehörigen in Allendorf ankamen.

Schließen möchten wir diesen Bericht mit folgendem Satz:

„So wie die von uns gemeinsam gepflanzte Linde im Naherholungsgebiet „Hombergwiese“ Wurzeln geschlagen hat, wächst und gedeiht, so wollen wir unsere gemeinsame Heimatverbundenheit stets im Herzen tragen.“

Die fachgerechte Restaurierung des Grabmals hat die Firma Alexander Parsch aus Lich vorgenommen, die die Kosten dem Verein teilweise gesponsert hat. Dafür herzlichen Dank.

 

 

 

Taufkleid aus Herzogwald

Vor dem restaurierten Grabstein der ehemaligen Herzogwälder Josef und
Anastasia Waschke:
Von li. Marianne Leipold, die als 4jähriges Kind von Herzogwald nach
Allendorf kam, Gerhard und Ingo Polzer, die Enkelsöhne der Ehel. Waschke.

 

PS:

Bemerkungen und Erinnerungen von Reinhold Gruninger, geboren und aufgewachsen in Allendorf (Lumda):

Heute war im Gießener Anzeiger ein weiteres Werk von W. Arnold zu sehen: das große Monument zu Erinnerung und Mahnung an den verlustreichen 2. Weltkrieg. Ich sollte im Auftrag unseres Lehrers Josef Kesselgruber aus dem Sudetenland eine Rede am Tag der Einweihung halten, wurde aber krank. Und so hielt Werner Lemmer diese Rede. Werner Lemmer ist schon vor etlichen Jahren in den USA verstorben. An ihn und Josef Kesselgruber sei in dieser Stelle erinnert. Josef war für mich als späterer Lehrer in allen Belangen ein Vorbild! Wir haben Ihn bis zu seinem Tod stets besucht.

Aber aus eingenem Erleben möchte ich noch eine Geschichte beisteuern, die die große Not von Flüchtlingen und Einheimischen schildern soll:

Zu uns kam 1947 die Familie Oskar Schmidt, woihl aus Herzogwald. Vater, Mutter, eine Tochter, die etwas älter war als ich, sowie der neugeborene Sohn Walter. Vorn Anfang an hatten wir, auch später, ein herzliches Verhältnis zu den Schmidts und teilten uns mit Ihnen das bißchen was wir alle hatten.

Besonders schlimm war für mich folgendes Erlebnis: Wir hatten eine große, weiße Gans namens Flora. Eines Tages lag sie tot im Garten. Meine Oma vergrub sie im Garten. In ihrer Not grub Familie Schmidt die Gans aus, briet und verspeiste sie. Das hätten sie in normalen Zeitenb niemals getan!

Blumenwettbewerb Nordeck/Winnen

Aus dem Archiv des Allendorfer Heimatmuseum

 

Ende der 1970er Jahre bis Anfang der 1980er Jahre wurden über mehrere Jahre Blumenschmuckwettbewerbe in der Kernstadt und in allen Stadtteilen durchgeführt sowie Grüne Patenbriefe verliehen. Diese beiden Initiativen leisteten einen wesentlich Beitrag zur Verschönerung des Stadtbildes. Die Grüne Patenbriefe wurden an Bürgerinnen und Bürger verliehen, die sich in besonderer Weise um die Pflege und Erhaltung der städtischen Grünanlagen verdient gemacht hatten. Mit der öffentlichen Auszeichnung und Ehrung sollte zum einen erreicht werden, dass durch weitere Patenschaften noch mehr Steuergelder gespart werden und zum anderen, dass sich die Paten für die städtischen Anlagen mitverantwortlich fühlen und darauf achten, dass diesen keinen Schaden zugefügt wird.

Heimat- und Verkehrsverein Allendorf (Lumda) e.V.

Träger des Allendorfer Heimatmuseums

Kontaktdaten:

Heimat- und Verkehrsverein Allendorf (Lumda) e.V.

Telefon: 06407-5267 oder 0160-94939544

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Die Preisträger des Blumenwettbewerbs 1980 in den Stadtteilen Nordeck und Winnen (1981). Oben rechts mit Bürgermeister Walter Deissmann, und unten links mit Stadtverordnetenvorsteher Dieter Klaas.

 

Hausschlachtung bei Kreuters

11. April 2021

 

Aus dem Archiv des Allendorfer Heimatmuseum

 

Die Hausschlachtung

 üppige 

 

 Worschdsubb (Wurstsuppe) ist die übliche Bezeichnung für Hausschlachtung vor allem im Blick auf das Schlachtessen, ein Familienfest, zu dem auch Nachbarn und Bekannte eingeladen wurden.

 

Aus naheliegenden Gründen wurde im Winter geschlachtet. Der nebenberuflich tätige Hausmetzger zog von Hof zu Hof mit seinem „Schlachtgeschirr“, das aus Holzhammer, Schlagbolzen, Sautrog, Schabschelle, Dreibock, Schlachtbank, Hackbrett, Wurstmaschine, Handwolf, Wurstlöffel, Stahl, Messer u. dgl. m. bestand. Nachdem das Schwein getötet war und der Fleischbeschauer es für die Weiterverarbeitung freigegeben hatte, wurde es in verschiedene Teile wie Schinken, Speckseiten, Solber- und Wellfleisch zerlegt. Anschließend erfolgte die Herstellung der verschiedenen Wurstsorten, wie Bratwurst (Mett- oder Rotwurst) sowie der Kochwurst (Leber- und Blutwurst sowie Presskopf). Die Wurstrezepte waren von Ort zu Ort und oft auch von Hausmetzger zu Hausmetzger verschieden. In Allendorf und auch in den Stadtteilen waren mehrere Hausmetzger tätig, aus denen sich die einzelnen Familien „ihren“ Hausmetzger auswählten.

 

Neben genannten Wurstsorten wurden in unserem Bereich Kartoffelwurst und Kaffeewurst (Sauhoink) zubereitet. Für die Herstellung der Kaffeewurst nahm man zerkleinerte Pellkartoffeln, Reste von allen Wurstsorten, erkaltetes Blut sowie verschiedene Gewürze. Die Kaffeewurst wurde mehrere Stunden unter Rühren gekocht, bis sie eine dunkelbraune Farbe annahm. Vielleicht leitet sich von der dunkelbraunen Farbe auch die Namensgebung her. Vor dem Verzehr erhitzte man den Sauhoink. Er wurde sowohl als Brotaufstrich als auch zu Pellkartoffeln gegessen.

 

Das Schlachtessen bestand aus Wurstsuppe, Wellfleisch, Sauerkraut, Meerrettich, Roten Rüben und Kartoffeln. Natürlich fehlten zur besseren Verdauung auch alkoholische Getränke nicht.

 

Die Tage nach der eigentlichen Hausschlachtung brachten für die Hausfrau noch eine Menge Arbeit. Das Fett musste ausgelassen werden, alles Fleisch, das durch Salz haltbar gemacht wurden sollte, kam in die „Solberbütt“. ‚Die Würste wurden zum Räuchern auf Stangen gehängt. Das während des Jahres gesammelte Buchensägemehl kam in einen eisernen Topf und gab, wenn es zum Schwelen gebracht wurde, den für das Haltbarmachen notwendigen Rauch ab. Koteletts bewahrte man längere Zeit auf, indem man sie auf den Boden eines Steinguttopfes legte und luftdicht mit weichem Fett verschloss.

 

Nach einer Statistik wurden 1980 im Landkreis Gießen noch 13074 Schweine, 450 Schafe und 400 Rinder hausgeschlachtet. Heute sind Hausschlachtungen eher eine Seltenheit. Hausmacher Wurst, Kaffeewurst (Sauhoink) und Kartoffelwurst sind nach wie vorher begehrte und geschätzte Spezialitäten.

 

 

 

BU für die beiden Fotos:

 

Hausmetzger Heinz Diehl schlachtet bei Familie Anna und Karl Kreuter, Bahnhofstraße 5, Allendorf (Lumda), Foto 1960er Jahre.

 

Kontaktdaten:

Heimat- und Verkehrsverein Allendorf (Lumda) e.V.

Telefon: 06407-5267 oder 0160-94939544

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Ansichtskiarte von 1913

Aus dem Allendorfer Heimatmuseum

 

Vor kurzem ist eine außergewöhnliche Ansichtskarte in unseren Besitz gelangt.

Auf der Karte ist die Climbacher Straße, später Bahnhofstraße, in Richtung Ortsmitte um 1910 zu sehen. Der Kirchturm der Evangelischen Kirche ragt aus der Dachlandschaft heraus.

 

Die Postkarte trägt eine belgische Briefmarke. Im unteren Teil der Briefmarke ist in französischer und flämischer Sprache aufgedruckt:

„Nicht zustellen am Sonntag“.  Sie ist an eine Mademoiselle …………

gerichtet. Weder der Familiennamen der Empfängerin noch der Bestimmungsort sind zuzuordnen. Der Text ist in französischer Sprache geschrieben.  

 

Die deutsche Übersetzung lautet:

„Den 15 Juli 1913

Meine liebe Leonie

Entschuldige, daß ich dich morgen Nachmittag nicht besuchen kann. Ich bin ganz und gar verhindert. Warum werde ich dir am nächsten Mittwoch erklären.

Liebe Grüße von uns an dich. Einen lieben Kuss von

Julia“ 

 

Wer könnte diese Julia gewesen sein, die in Belgien 1913 eine Ansichtkarte von Allendorf mit französischem Text, an eine Leonie in Belgien schickt?

Welchen Bezug hatte sie zu Allendorf?

Der Judenfriedhof in Allendorf

Vor wenigen Tagen, am 27. Januar, fand der Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust statt. Jüdisches Leben war bis zur NS-Zeit selbstverständiger Bestandteil in den Gemeinden und Städte unserer Region. Der Heimat- und Verkehrsverein Allendorf (Lumda) beschäftigt sich von Anbeginn mit dem Leben und Wirken der ehemaligen jüdischen Mitbürger in Allendorf, die über Jahrhunderte Teil der Dorfgemeinschaft waren und Tür an Tür mit ihren christlichen Nachbarn lebten. In dem von dem Heimat- und Verkehrsverein 1987 herausgegebenen Buch „Allendorf an der Lumda - Die Mitte des Tales“ wird ausführlich in dem Kapitel „Die Juden - ihr Kommen, ihr Wirken und ihr Schicksal“ über sie berichtet. Anlässlich der 1200 Jahrfeier der Ersterwähnung von Allendorf im Jahre 1988, vergaß der Verein die ehemaligen Allendorfer Mitbürger nicht. Erstmals wurde öffentlich an sie gedacht. Auf dem jüdischen Friedhof wurde ein Gedenkstein aufgestellt, der an 24. Juli 1988 in einer Feierstunde im Rahmen der 1200 Jahrfeier unter großer Beteiligung der Bevölkerung, enthüllt wurde. Die bronzene Gedenktafel, die auf dem Stein angebracht ist, trägt folgenden Text:

„In Allendorf/Lda. lebten seit Jahrhunderten jüdische Einwohner, die während der Naziherrschaft 1933 -1945 gedemütigt, entrechtet, vertrieben, verschleppt und ermordet wurden. Ihr Schicksal darf nicht vergessen werden.
Wehret den Anfängen."

Für die Bürger dieser Stadt:
Heimat- und Verkehrsverein Allendorf, 1988

Ein Mahnmal für die Menschlichkeit - ein Basaltfels wider das Vergessen.

Später wurde eine weitere Gedenkstätte auf dem Platz Ecke Treiser Straße/Kirchstraße mit sieben Basaltstelen errichtet.
Die Freifläche entstand durch den Abbruch von drei Häusern in den 1960er Jahren.
In diesen Gebäuden lebten bis zur NS-Gewaltherrschaft Einwohner jüdischen Glaubens.

Da dieser Platz einen starken historischen Bezug für jüdisches Leben in Allendorf hat, wurde er als Standort für die Gedenkstätte ausgewählt.
28 Metalltafeln an den Stelen erinnern an die einstigen jüdischen Mitbürger. Die Einweihung fand am 14. September 2014 statt.


Von re: Amon Orbach, Vorsitzender der jüdischen Gemeinde Marburg, Walter Deissmann, Vorsitzender des Heimat- und Verkehrsvereins, Ruth Wagner, Präsidentin des Hess. Landtages und Kurt Willner, Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Allendorf (Lumda).Enthüllung des Gedenksteines am 24.7.1988
Von re: Amon Orbach,... 
Gedenkfeier am 24.7.1988 auf dem jüdischen Friedhof
Enthüllung des Denkmals
Gedenkfeier am 24.7.1988... 
 
 

Historisches Mitteilungsblatt

50 Jahre Allendorfer Mitteilungsblatt

Am 2. Oktober 1970 erschien die erste Ausgabe des Allendorfer Mitteilungsblattes. Gedruckt wurde es vom luweidruck - Druckerei und Verlag Ludwig Weickhardt in Butzbach. Alle Manuskripte einschließlich der Vereins- und Kirchennachrichten, die ärztlichen -, tierärztlichen - und Apothekendienste etc. (natürlich alle in Papier) sowie die amtlichen Bekanntmachungen wurden bei der Stadtverwaltung gesammelt. Ein Mitarbeiter der Druckerei holte die Manuskripte jeweils dienstags bei der Stadtverwaltung zum Druck ab. Das „Blättchen“ wie es umgangssprachlich genannt wird, erschien damals am Freitag jeder Woche. Inzwischen hat sich einiges verändert. Herausgeber, Druck und Verlag ist das Mittelhessische Duck- und Verlagshaus Giessen (Giessener Allgemeine) seit 1985. Der luwei-druck hatte seinen Betrieb eingestellt. Auch hat sich das Aussehen und der Name des Blättchens geändert. Herausgeben wurde es zu Beginn unter dem Namen: „Mitteilungsblatt der Stadt Allendorf a. d. Lumda“, so lautet er heute „Allendorfer Mitteilungen“. Viele Jahre wurde es in schwarz-weiß gedruckt. Heute erscheint es im Vierfarbendruck.

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Bis zur Einführung des Mitteilungsblattes waren alle Bekanntmachungen durch den Ortsdiener oder durch Aushang im Bekanntmachungskasten verkündet worden. Der Artikel in der ersten Ausgabe der Allendorfer Nachrichten von Bürgermeister Wilhelm Schwarz (1948 bis 1972) schildert sehr anschaulich die Gründe für den Wechsel von der Ortsschelle zum Mitteilungsblatt:

„Zur Einführung
Liebe Bürgerinnen und Bürger!
Die Stadtverordnetenversammlung hat in ihrer Sitzung am 18. September 1970 beschlossen, ein Gemeinde-Mitteilungsblatt unter der Bezeichnung „Mitteilungen der Stadt Allendorf an der Lumda“ einzuführen. Als Leitbilder haben wir gewählt: Das 600 Jahre alte Stadtwappen und das im Juli dieses Jahres seiner Bestimmungen übergebene Bürgerhaus.

Wir wollen damit sinnbildlich zum Ausdruck bringen, wie reich und bewegt unsere Geschichte gewesen ist und wie schön durch das harmonische Schaffen und Gestalten der Bürger unser Städtchen heute geworden ist.

Mit der Einführung des Mitteilungsblattes ist die Ortsschelle mit ihren handgeschmiedeten Buchstaben „Vor die Stadt Allendorf 1815“ nun nicht mehr verbindlich. Dieser metallene Künder bei der Meisterung gemeindlichen Schicksals bleibt für unsere Generation nur noch Erinnerung. Auch die seitherigen Bekanntmachungen in den Aushängekasten entfallen damit.

Bürgermeister Walter Deissmann und der Ortsdiener Heinrich Reihardt
Bürgermeister Walter Deissmann und der Ortsdiener Heinrich Reihardt


Wir nehmen an und sind davon überzeugt, dass wir mit der Einführung des Mitteilungsblattes einen langgehegten Wunsch vieler Einwohner Rechnung tragen. Jetzt haben alle interessierten
Bürger die Möglichkeit, die Geschehnisse der Stadt in Ruhe zu Hause lesen zu können, was bisher nicht der Fall war. Durch diese Maßnahme soll auch unser Bekanntmachungswesen einen Fortschritt erfahren. Nicht selten ist es vorgekommen, daß die Bekanntmachungen in den Kästen durch Witterungseinflüsse unleserlich wurden.

Viele Einwohner arbeiten auswärts. Sie verlassen in der Regel während der Wintermonate bei Dunkelheit ihre Wohnung und kommen auch erst bei Dunkelheit wieder zurück. Sie alle hatten keine Gelegenheit, die Bekanntmachungen zu lesen bzw. durch die Ortsschelle zu hören.

Das alles wird jetzt durch die wöchentliche Erscheinung des Mitteilungsblattes vermieden. Alle haben nunmehr die Möglichkeit, das für sie Bedeutungsvolle zu Hause in Ruhe zu lesen. Auch wichtige Termine können nicht mehr verstreichen, ohne daß der gesamte angesprochene Personenkreis Gelegenheit hatte, sich ausreichend zu informieren. Nicht nur über die Bekanntmachungen der Stadtverwaltung kann sich der Bürger zu Hause informieren, sondern auch über die Bekanntmachungen von Vereinen, von Kirche und Schule. Jedem ist jetzt die Möglichkeit gegeben, seine Mitteilungen kostenlos seinem Interessentenkreis zu unterbreiten.

Wir empfehlen daher, den in Frage kommenden Institutionen, sich diese Möglichkeit nicht entgehen zu lassen. Private Anzeigen (Danksagungen usw.) auch Inserate von ortsansässigen Geschäften und Betrieben werden ebenfalls in dem Mitteilungsblatt veröffentlicht. Die Gebühren für Inserate dieser Art sind nach unserer Information sehr niedrig gehalten. Der Verlag, Druckerei Ludwig Weickhardt, Butzbach, der den Druck und die Auslieferung des Blattes übernimmt, wird hierüber noch an anderer Stelle Auskunft erteilen.

Redaktionsschluß ist jeweils dienstags, um 12.00 Uhr. Das bedeutet, daß bis zu diesem Zeitpunkt Anzeigen und Texte, die in der betreffenden Woche (Auslieferung ist donnerstags) im Mitteilungsblatt erscheinen sollen, bei der Stadtverwaltung vorliegen müssen.

Magistrat und Stv.-Versammlung haben den Wunsch und die Hoffnung, daß auch unsere Einwohner den hier geschaffenen Fortschritt unterstützen werden. Das Blatt erscheint ab sofort. Es wird bis Ende Oktober kostenlos zugestellt. Ab 1. November 1970 wäre es zu abonnieren.

Der vierteljährliche Bezugspreis beträgt 2,70 DM (einschl. Trägerlohn).

Diese wirkliche sehr niedrige Bezugsgebühr sollte dazu beitragen, daß möglichst alle Haushaltungen mittels Bestellzettel, der demnächst dem Mitteilungsblatt beigelegt wird, das Blatt ab 1. November abonnieren. Die Bestellung bitten wir bei der Stadtverwaltung abzugeben.

Es wäre wünschenswert, wenn bis Mitte Oktober die Zahl der Bezieher feststeht, damit der Verlag eine Übersicht hat, wie viele Blätter ab 1. November 1970 zu drucken sind. Ab diesem Zeitpunkt können selbstverständlich nur noch die Haushalte beliefert werden, die das Mitteilungsblatt auch bestellt haben.

Bitte tragen Sie, liebe Bürgerinnen und Bürger, dazu bei, daß der mit der Herausgabe dieses Blattes verfolgte Nutzzweck, nämlich eine breite Streuung und Vertiefung des Bekanntmachungswesens erreicht wird und somit das Mitteilungsblatt mit unseren Gedanken, Wünschen und Willensbestrebungen ein echtes Bindeglied zwischen Stadt und Bürger darstellt.

Mit freundlichen Grüßen

Schwarz, Bürgermeister“

Zwischen dem Einführungstext von Bürgermeister Wilhelm Schwarz ist folgendes Zitat von Fr. Rückert abgedruckt:
„Am Abend wird man klug
Für den vergang´nen Tag;
Doch niemals klug genug
Für den, der kommen mag.“

Inzwischen ist die Nachrichtentechnik weiter vorgeschritten. Alle Texte und Fotos werden digital an die Druckerei übermittelt. Alle amtlichen Bekanntmachungen der Stadt Allendorf (Lumda) werden neben dem Abdruck in dem Mitteilungsblatt auch auf der Internetseite der Stadt veröffentlicht.


BU:
Die Titelseite der ersten Ausgabe des Mitteilungsblattes der Stadt Allendorf a. d. Lumda


BU:
Die ehrwürdige über 200 Jahre alte Ortsschelle, die zum Fundus des Heimatmuseums gehört.

BU:
Heinrich Reinhardt 1. mit Ortsschelle, der oft vertretungsweise die Dienste des Ortsdieners
ausübte.





Heimat- und Verkehrsverein Allendorf (Lumda)
Träger des Allendorfer Heimatmuseums
Kontaktdaten:
Telefon 06407-5267 oder 0160-94939544
Fax: 06407-404629
E-Mail Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

www.heimatmuseum-allendorf.de