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Erinnerungen von Ria Merte, geb. Conrad

Das alte Brauhaus auf dem Rentmeisterhof, Bahnhostraße 2, das auch bei dem Bombenabwurf am 13.2.45 zerstört wurde

Das alte Brauhaus auf dem

Das alte Brauhaus auf dem Rentmeisterhof, Bahnhostraße 2, das auch bei dem Bombenabwurf am 13.2.45 zerstört wurde

 

75 Jahre Kriegsende – 75 Jahre Frieden und Freiheit

Mit diesem Bericht wollen wir an das Kriegsende vor 75 Jahren erinnern.

Zum 60.  und 70. Jahrestag haben wir mit Gedenkveranstaltungen an die furchtbaren Ereignisse vor und während des Zweiten Weltkrieges sowie an Flucht und Vertreibung nach dem Zweiten Weltkrieg erinnert.

Als 1945 die Waffen schwiegen, lag Deutschland in Trümmern. Millionen waren auf der Flucht. In Europa und Fernost hat der Zweite Weltkrieg mindestens 55 Millionen das Leben gekostet.

Wir möchten die abscheulichen Gräueltaten, die mit Hitlers Machtübernahme 1933 begannen, 

nicht vergessen und einen Beitrag dazu leisten, dass Ähnliches nicht mehr geschieht. Wir leben in Deutschland seit 75 Jahren in Frieden und hoffen, dass dies so bleiben möge.

Für Ria Merte geb. Conrad war das grauenvollste  Ereignis ihrer Jugend der Bombenabwurf auf das Zentrum von Allendorf, unmittelbar neben ihrem Elternhaus, den sie als 9jähriges Mädchen miterleben musste.

Sie hat ihre traumatischen Erinnerungen  aufgeschrieben:

„Wir, meine Schulfreundin und ich, trafen uns am Nachmittag des 13. Februar 1945 zum Spielen. Da wir wussten, dass in der unteren  Bahnhofstraße, also zwischen Mühlgraben und Lumda, Hochwasser war, gingen wir mit unseren Stelzen dort hin. Es war einfach schön, mit anderen Gleichgesinnten durch das Wasser zu stampfen. Nach geraumer Zeit wurde es am Himmel über uns sehr unruhig. Flugzeuge der Alliierten  waren zu sehen.  Wir beide beschlossen, zu uns nach Hause zu gehen, d.h. in mein Elternhaus in der Bahnhofstraße 1.

Dort angekommen, sahen wir den Großvater von Schuhmacher Heinrich Damm und dessen Bruder Wilhelm Damm in dem Hof seines Anwesens Bahnhofstraße 3. Dieses Gebäude ist nicht mehr vorhanden, es wurde inzwischen abgebrochen. Es stand direkt neben meinem Elternhaus.

Meine Freundin Johanna und ich  riefen dem etwas schwerhörigen Opa zu, er möge doch ins Haus gehen und  deuteten gegen den Himmel, um ihm verständlich zu machen, dass feindliche Flieger über uns kreisten.

Wir gingen in unser Haus. Dort befanden sich meine Oma, meine Mutter, meine sechsjährige Cousine Helga aus Kesselbach sowie Vaters Schwester Elisabeth, die mit ihrem 12jährigen Sohn Helmut und dem 4 1/2jährigen Töchterchen Ingeborg an diesem Tag aus Frankfurt gekommen waren. Per Bahn konnten sie nur bis Lollar fahren. Den Weg von dort nach Allendorf mussten sie zu Fuß zurücklegen, da kein Zug fuhr. Eigentlich wollten sie dem Bombenhagel in Frankfurt den Rücken kehren, doch was sie dann hier in Allendorf in nächster Nähe erleben mussten, war grauenvoll.

Kaum waren wir „Drittklässerinnen“ zu Hause, meinten die Erwachsenen:

„Lasst uns in den Keller gehen, denn alles rundum hört sich nicht gut an!“  So gingen wir mit sieben Personen in unseren Keller. Nur meine Mutter wolle noch einmal hoch auf den Speicher. Von dort sah sie, dass  eine Bombe gegenüber der Pirrmühle (Londorfer Straße) fiel und eine weitere auf dem Anwesen von Dr. F. Harth einschlug. Sie versuchte schnellstens zu uns in Keller zu kommen, was ihr jedoch zu Fuß nicht mehr gelang, denn in diesem Moment ging eine Bombe einige Meter hinter uns nieder. Meine Mutter wurde dabei von der Druckwelle regelrecht die Kellertreppe hinunter geschleudert. Mit leichten Schürfwunden landete sie bei uns im Keller. Das war zum Glück noch einmal gut gegangen. Doch was uns draußen erwartete, war schrecklich.

Als sich die Lage etwas zu beruhigen schien, versuchten wir auf der Treppe nach oben zu gelangen. Dort angekommen, sahen wir sämtliches Porzellan aus dem Küchenschrank und viele andere Dinge auf dem Boden liegen. Im oberen Stockwerk war ein großer Balken durch das Fenster auf den in einer Nische stehenden Kohleherd geflogen. Vieles in unserem Haus war durcheinander gewirbelt worden.

Wiir wollten  den hinteren Ausgang ins Freie nehmen. Doch das ging nicht, Schutt und Asche versperrten uns den Weg. Unter dem umgestürzten Scheunentor hatte ein Huhn tatsächlich noch ein Ei gelegt. Danach versuchten wir durch die, zur Bahnhofstraße hin gelegene, Haustüre nach draußen zu kommen. Auch dort war das Desaster groß.  Wir Kinder standen auf der Treppe und warteten verängstigt.  

Von dem Opa aus dem Nachbarhaus Damm, dem wir kurz vorher noch zugerufen hatten,

hörten wir, dass er umgekommen sei. Er wurde, da er  unmittelbar an der Bombenabwurf- stelle stand, von dem Luftdruck von seinem Hof zum Haus Treiser Straße 3 regelrecht katapultiert. Er verlor so, auf diese tragische Weise, sein  Leben.

Ich stand noch mit Helga auf der Treppe als von der Kreuzung, aus Richtung Treiser Straße, ein Mann mit einem Leiterwägelchen kam, auf dem bei genauerem Hinschauen, abgedeckt ein Mensch lag, sichtbar waren nur die Beine. Dies war der 90jährige Melchior Damm.

Es gab noch eine weitere sehr traurige Tatsache und zwar der Tod von Frau Helene Gonter. Frau Gonter war kurz vor dem Angriff aus der Frauenhilfe der Evangelischen Kirche nach Hause gekommen. Auch sie verlor durch den Bombenabwurf in ihrem zerstörten Haus ihr Leben. Ihre 10 jährige Tochter Erika überlebte zwar, war jedoch schwer verletzt, da ein Ofen sie fast unter sich begraben  hatte. Das Haus der Familie Gonter stand zwischen den Gebäuden vom Friseur Erich Otto und Philipp Keil in der Zahlgasse. Es grenzte direkt an die Scheunen und Stallungen der drei  bombengeschädigten Anwesen, Bahnhofstraße 1, 3 und 5.  Sämtliches Groß- und Kleinvieh  im unmittelbaren Bereich des Bombeneinschlages kam auch um. Dies war ein schlimmer Anblick.

Alles was vor 75 Jahren passierte ist für uns Betroffenen, die Kinder von damals, noch immer sehr präsent, denn es wissen die heute noch Lebenden, welche vor 75 Jahren gerade mal 12 Jahre, 9 Jahre, 6 und 4 1/2 Jahre alt waren, über das Geschehene zu berichten.

Noch heute bin ich meiner Mutter dankbar, dass sie immer wieder versucht hat, mich vor unfassbaren Tatsachen zu verschonen.

Dass wir beide, Johanna Fey und ich,  noch leben, grenzt eigentlich an ein Wunder, denn hätte die Flugzeugbesatzung die Bombe vielleicht 1 Sekunde früher ausgeklinkt, so wären wir alle, die acht Personen in unserem Keller sowie die Menschen in den Nachbarhäusern, Opfer dieser Katastrophe geworden.“

 

 Die obere Bahnhofstraße in 30 Jahren. Oberhalb des Fachwerkhauses stand das Anwesen des Landwirts und Schuhmachers Friedrich Damm. Bei dem Bombenabwurf am 13,2,45 wurde seinVater Melchior Damm getötet

 Die obere Bahnhofstraße in den 1930 Jahren. Oberhalb des Fachwerhauses stand das Anwesen des Landwirtes und Schumachers Frieridrich Damm. Bei dem Bombenabwurf am 13.2.45 wurde sein Vater Melchior Damm getötet.

 

 

Erinnerungen eines im Krieg geborenen

Von Reinhold Gruninger

75 Jahre Frieden und Freiheit, 75 Jahre nach dem 2. Weltkrieg.

Erinnerungen eines im Krieg geborenen

Jetzt da ich älter bin, kommen die Erinnerungen an „früher“ doch sehr oft. Wie war das damals, an was erinnere ich mich? Was weiß ich aus Erzählungen anderer?

Die erste Erinnerung, die habe war an ein Ereignis wohl im Mai 1945. Ich stehe mit „Hormanns Koathrine“ an der Hand am Kreuz, gegenüber dem alten Rathaus. Auf den Straßen sind viele Menschen. Aus Londorf kommend fahren riesige Panzer vorüber. Wie ich später erfahren habe, fuhren sie Richtung Treis auf die Mühlwiesen zwischen Allendorf und Treis und lagerten dort.

Auf den Panzern saßen Soldaten. Ein Teil war weiß, und die anderen hatten eine dunkle Hautfarbe. Ich hatte bislang nur auf Bildern Menschen mit dunkler Hautfarbe gesehen. Vor dem Krieg befand sich in unserem Haus ein Kaufladen, ein Konsum. Ich fand auf unserer „Läwe“ zwei große Blechdosen, auf denen waren schwarze Männer, denn auf den Büchsen stand auch Kolonialwaren. Ein anderes Bild war das im Struwwelpeter:“ Es ging spazieren vor dem Tor ein kohlpechraben-schwarzer Mohr“.

Aber so sahen die farbigen Soldaten nicht aus. Sie lachten uns fröhlich an und ihre weißen Zähne blitzten. Die anderen Soldaten, die Weißen, lachten nicht. Den Grund dafür erfuhr ich erst später. Es waren die Folgen der Nazivergangenheit und deren schrecklichen, menschenverachtenden Auswirkungen. Viele Soldaten mögen jüdischen Glaubens gewesen sein, sie alle haben die schrecklichen Bilder der KZs gesehen und hassten die Deutschen. Aber wir Kinder wussten nichts von diesen schrecklichen Taten, und unsere Eltern und Verwandten schwiegen über das Geschehen. Dass die Menschen nicht ausgestorben sind hängt wohl auch damit zusammen, dass wir verdrängen können. Ob das gut oder schlecht ist, mag dahin gestellt sein. Jedenfalls pilgerten wir zu den Lagern der Amis und erbettelten Schokolade, Kaugummi und Kekse – und wir bekamen es.

Eine kleine Geschichte aus Erlebnissen im Konsum: Ein Nachbarjunge kam und wollte: „E Rellche Essich ean ehn Schuppe Zwern“.

Ich erinnere mich aber an noch eine Begebenheit kurz nach dem Krieg:

Die amerikanischen Soldaten gingen durch Allendorf und „klopften“ mit den Gewehrkolben an die Haustüren. Wenn geöffnet wurde fragten sie: „Habter Wein, Bier, Schnaps, Likör?“. Das wurde natürlich verneint. Aber ich wusste, dass wir Wein im Keller hatten, denn mein Vater stammte aus Rust und war Weinkaufmann. Also rannte ich den Amerikanern hinterher und schrie: „ Hej Amis, mir hu Habterwein“. Gott sei Dank verstanden sie mich nicht. Wer weiß wie das sonst ausgegangen wäre.

Ich erinnere mich auch daran, dass wir immer mehr Vertrauen zueinander  bekamen. Und ich weiß noch, dass ich mit den Stahlhelmen der Soldaten gespielt habe.

Nach und nach erfuhr ich auch die Geschichte meiner Familie. Meine Großmutter Elisabeth Lotz, geborene Brömer, stammte aus Ilschhhausen, aus dem Brömerhof. Mein Großvater Reinhard Lotz stammte aus dem Haus in der Rheingasse. Er arbeitete in Lollar bei Buderus – wie so viele Allendorfer. Er war politisch sehr aktiv und gründete in den zwanziger Jahren den Kreisverband der Sozialdemokratischen Partei des Kreises Gießen und den von Allendorf, denen er bis zu seinem frühen Tod vorstand. Mein Großvater starb 1932 unerwartet – wahrscheinlich an Lungenentzündung, denn meine Oma Lisbeth sagte immer: “E hot kahlt Melch ausm Keäller getrunke, dadevo eas e krank gewoann“. Ich glaube, wenn er nicht gestorben wäre, wäre er nach 1933 in einem KZ gestorben. Wenigstens blieben ihm diese Qualen erspart. Seine Familie blieb unversorgt zurück. Um zu überleben, mussten Äcker und Wiesen verkauft werden.

Meine Mutter hatte noch einen Bruder, der als Kind starb und eine Schwester, die nach einer Impfung als Kind ihr Leben lang stark gehbehindert war. Sie konnte nicht zur Schule gehen und hat sich Lesen, Schreiben, Rechnen selber beigebracht. Es sei Kinderlähmung, behauptete man von behördlicher Seite. Sie kämpfte bis in die 70-er Jahre um Anerkennung als Impfopfer, um eine Rente zu bekommen.

Sie kam im Rahmen des Euthanasieprojektes gegen unwertes Leben der Nazi in eine solche Klinik. Die uns kurz darauf mitteilte, dass Luise Lotz verstorben und begraben sei. Kurze Zeit später kam ein Brief, dass sie noch Am Leben sei, ohne Erklärung!

Dazu kam, dass meine Familie während der Nazizeit von den Nazis verfolgt wurde, was ihr Leben noch schwieriger machte. Nach dem Krieg zeigte mir meine Oma so manchen SPD-Mann der vorher Nazi war und sie schikaniert hatte.

Zu essen gab es wenig, ich weiß nicht mehr, wann ich meine erste Orange oder Schokolade gegessen habe. Die Lebensmittel waren rationiert- es gab dafür Lebensmittelkarten mit wenig zu kaufen. Spielzeug hatten wir keins. Brauchten wir auch nicht, denn wir spielten auf der Straße mit unseren Freunden aus der Nachbarschaft. nsere Mutter wusste immer, was sie schmackhaft zubereiten konnte. Da gab es Kartoffelpfannkuchen oder Schalet, Bratkartoffeln, Pellkartoffeln mit Zwiebelgemüse und vieles andere. Am schlimmsten war für mich „Strulehme“, eine Mischung aus selbsthergestelltem Sauerkraut und Kartoffeln. Auch Bohnengemüse, aus in großen Fässern eingelegten Schnippelbohnen, war angesagt.

Unsere Väter waren im Krieg, einige kamen nicht zurück. Sie waren gefallen, hieß es. Das verstanden wir nicht, denn wenn wir hingefallen waren standen wir einfach wieder auf. Ein anderer Ausdruck war „er ist im Feld geblieben“. Das verstanden wir auch nicht, warum kam er nach der Feldarbeit nicht nach Hause? Wenn sie gesagt hätten, er ist tot, hätten wir es verstanden.

Mein Vater, Alfred Gruninger aus Rust am Rhein, war zu Beginn des Krieges in Gießen in der Bergkaserne stationiert. Gegen Ende des Krieges wurde er zur Wachmannschaft des Feldherrnpalastes in München kommandiert. Da er Badener war, kam er in französische Gefangenschaft. Die Franzosen fragten ihn, ob er als Offizier der Fremdenlegion nach Indochina gehen wolle. Das war das heutige Vietnam,  eine französische Kolonie. Als er sagte, dass er nie mehr eine Waffe anrühren werde, brachte man ihn nach Frankreich. Man grub ihn dort bis zum Kopf ein. Als er daraufhin todkrank wurde, brachte man ihn zum Sterben nach  Weißenau (Bayern).  Meine Mutter erfuhr das und brachte ihn 1947 nach Allendorf. Mein Vater starb am 14.10.1948. So konnte ich ihn aber noch sehen. 

Dann war Weihnachten  1945. An einem Nachmittag trafen sich die Frauen aus der Nachbarschaft bei Joaköpches,  Sie alle hatten Kerzenstummel gebracht. Diese wurden geschmolzen. In ein Tablettenröhrchen kam ein Docht aus Baumwolle, die Kerzenschmelze hinein ins Röhrchen, fertig war die Kerze – kaufen konnte man keine Kerzen.  Es gab auch keine Geschenke. Es gab nichts!

Und dann kamen die Heimatvertriebenen, meist aus dem Sudetenland – und schon hatten wir noch mehr Freunde. Sie belebten unseren Alltag in großem Maße.

Diese Erfahrungen haben uns geprägt und einigermaßen stark gemacht. Es ist aber für mich unverständlich, wenn Leute der Nazizeit  nachtrauern oder sie herbeiholen wollen. Sie haben vergessen oder wissen nicht, wie entbehrungsreich diese Zeit war. Die medizinische Versorgung war schlecht – es fehlte an allem. Diese Jahre noch mal erleben? Das wünsche ich meinen Kindern und Enkeln nicht – eigentlich niemanden.

 

 

Ein Vertriebenenschicksal, mein Schicksal, das Schicksal meiner Familie. Ich wurde in eine heile Welt im Mai 1940 in Brüx, Sudetenland, geboren. Mit meiner Schwester, die 1941 geboren wurde, verlebten wir bis 1944 eine unbeschwerte, schöne Kindheit. Wir

 

Ich wurde in eine heile Welt im Mai 1940  in Brüx, Sudetenland, geboren. Mit meiner Schwester, die 1941 geboren wurde, verlebten wir bis 1944 eine unbeschwerte, schöne Kindheit. Wir hatten ein sehr großes Anwesen, mit einem schönen Garten, einem großen Hof und vielen Tieren, die mein Vater für uns Kinder anschaffte. Es waren 2 Schafe, Ziegen, Hühner und Gänse. Wir sollten mit der Natur heran wachsen.

 

Bei uns war immer Besuch, so kamen unsere Großeltern, die in der Stadt eine Spedition hatten, gerne zu uns ins Grüne. Tante und unser Cousin, der 1939 geboren wurde, besuchten uns oft, so hatten wir doch noch einen Spielgefährten.  Wir wohnten am Rande der Stadt, und so haben wir wenig mitbekommen, was sich innerhalb des Landes alles abspielte.

Bis dann mit einem Mal alles anders wurde. Unser Vater arbeitete am Landratsamt und brachte alle neuen Nachrichten mit nach Hause, und das waren keine guten Nachrichten.

Es gab die ersten Fliegerangriffe. In Brüx war das Ziel das große  Hydrierwerk, in dem Benzin hergestellt wurde. Wir hatten schon Telefon zu Hause, denn mein Vater musste immer erreichbar sein, und so rief er vom Landratsamt an, wenn feindliche Flieger im Anflug waren. Seine Worte waren immer: „Mutti mach die Kinder fertig, ihr müsst in den Luftschutzbunker“.

Dieser Bunker war von der Bergbaugesellschaft gegraben worden, zum Braunkohleabbau. Jetzt diente er als Unterstand bei den Fliegerangriffen. Unsere Mutter packte das Nötigst, und wir rannten los. Zum Glück war es nicht so weit. Zwei Soldaten, die den gleichen Weg liefen, schnappten uns Kinder. Unter Sirenengeheul erreichten wir den Bunker und dann hörten wir schon die Einschläge. Erst als Entwarnung geblasen wurde konnten wir nach Hause laufen. Manchmal war eine Fensterscheibe geborsten, durch den Luftdruck der abgeworfenen Bomben.

Die schöne Kinderzeit war vorbei. Wir lebten in ständiger Angst vor Luftangriffen. Da unser Anwesen sehr groß war und auf unserem Hof leer stehende Gebäude waren, wurde die Wehrmachtsküche bei uns untergebracht. Ich kann mich erinnern, dass es einmal  auf unserem hinteren Hof furchtbar gestunken hatte. Man hatte  2  LKW voll faulender Kartoffel n einfach ausgekippt. Es kamen fremde Kriegsgefangene, und die mussten diese stinkende Masse  in Gut und Schlecht sortieren.

Es gab aber auch Gutes für uns. So fiel doch aus der Küche immer etwas zu essen für uns ab.

Im Frühjahr 1945 wurde es ganz schlimm. Ich bekam Scharlach, Penicillin gab es noch nicht und so musste ich ins Krankenhaus auf die Isolierstation, ohne meine Eltern. Aber auch die Bombenangriffe wurden mehr und härter und so beschlossen meine Eltern zu fliehen, weg von der ständigen Angst, in das noch vermeintlich Anfang 11945 noch sichere Egerland. Aber was war mit mir? Das Krankenhaus gab keine Kinder von der Isolierstation heraus. Mein Vater war zum Fahrbereitschaftsleiter im Landratsamt bestimmt worden und hatte die Aufgabe die Benzingutscheine zu verteilen. Er hat einen abgezweigt und dem Arzt der Klinik zukommen lassen, zur eigenen Flucht damit er mich heraus gibt. Vor dem Krankenhaus warteten viele Eltern, in der Hoffnung, ihre Kinder mitnehmen zu können. Ich bin meinem Vater heute noch für diese Unehrlichkeit dankbar, denn wer weiß, wo ich mit dem gesamten Klinikstransport gelandet wäre, bestimmt nicht hier.

Jetzt kam uns die Spedition meiner Großeltern wieder zu Gute, denn hatten sie erst Pferde vor ihren Transportwagen, so waren doch jetzt auch LKWs im Einsatz. Einer dieser Lkw war unser Fluchtauto. Aufgeladen wurde das Nötigste, ich lag auf der offenen Ladefläche, hoch ansteckend und mit Fieber. Meine Tante, mein  Cousin meine Eltern und meine Schwester sowie unsere geliebte „Großmuttel“ stiegen dazu. Sie, die immer praktisch veranlagt war, hatte noch unsere Hühner geschlachtet und auf dem Auto gerupft. Wir sollten doch was zu essen haben. Von weitem hörte man die Kanonenschläge der Russen, das war unsere „Begleitmusik“  bei der Flucht ins Egerland. Wir glaubten an eine Rückkehr, wenn sich die Lage wieder beruhigt hat. Aber es sollte anders kommen.

Unterwegs kamen Tiefflieger, die über uns kreisten, in einem Graben suchten wir Schutz. Doch dann kamen wir im noch ruhigen Egerland, in Neurolau, bei Karlsbad an. In einem großen Haus wurden wir untergebracht. Wir lebten in einem Raum zusammen und waren die nicht gerne gesehenen „Flüchtlinge“. Wir wurden verspottet, ja einmal flog sogar ein Stein durch das Fenster auf unseren Tisch.

In Neurolau lebten wir 1 Jahr, immer in der Hoffnung, wieder nach Hause zu kommen. Aber es kam anders. Eines Tages hieß es, wir werden ausgesiedelt. In einem Viehwagon mit vielen Menschen wurden wir Richtung Westen transportiert Eine Toilette gab es nicht in diesem Eisenbahnwagen, wer musste, konnte nur auf einen Eimer gehen, ob jung oder alt. Wir kamen nach Gießen ins Auffanglager, dort wurden wir entlaust, ob wir Läuse hatten oder nicht, wir hatten keine. Es war so unwürdig.

Von Gießen kamen wir dann nach Allendorf und wurden in der alten Volkshalle untergebracht. Eine Gruppe Frauen kochte für uns, was es so gab und das war nicht viel. Ich kann mich erinnern, dass wir Kinder einen Klecks Kartoffelbrei bekamen, in den wurden kleine Kuhlen gedrückt und das Gute kam dazu, ein Löffelchen flüssige Butter. Dazu gab es Spinat, aber nur für uns Kinder. Was die Erwachsenen bekamen weiß ich nicht.

So lebten wir einige Tage, bis uns die Frau Zinser bei sich aufnahm. Mein Vater wurde zum Flüchtlingsobmann gewählt und half allen bei den bürokratischen Angelegenheiten.

Langsam kehrte Ruhe ein. Man war damit beschäftigt, etwas zu essen aufzutreiben, denn die Not war groß. Nur die Bauern hatten das was ihre Landwirtschaft hergab. So machten sich die Eltern zu Fuß in den Ebsdorfer Grund auf, wo noch viele Bauern waren, um etwas zu tauschen für etwas zu essen. Man hatte nicht viel anzubieten, ein paar Schuhe oder ein kleines Schmuckstück für etwas Brot oder Kartoffeln. Meine Eltern kamen sich vor wie Bettler und so kam meine Mutter manchmal zurück und weinte bittere Tränen.

Die Zeit verging und langsam kam wieder etwas Freude auf und man beschloss in die alte Volkshalle etwas  Leben zu bringen. Es sollten Faschingsbälle abgehalten werden. Man schmückte den großen Saal mit gebastelten Blüten aus Krepppapier. Ein Motto habe ich noch in Erinnerung, das hieß „Kirschblütenfest in Japan“. Bei uns zu Hause wurde gewerkelt und gebastelt und dabei ging es ganz schön lustig zu. Durch diese beliebten Bälle und auch Theaterstücke. die man aufführte. kamen sich die Vertriebenen und die Einheimischen  sehr schnell näher, und das war der Anfang für ein langsames Miteinander.

Wir Kinder haben es nicht begriffen, was die Eltern verloren hatten, für uns war immer gesorgt. Erst als wir älter wurden und uns unser eigenes Heim geschaffen hatten, haben wir ganz leise erahnen können, was unsere Eltern alles verloren hatten. Jetzt im Alter denke ich viel darüber nach. Unsere Heimat ist schon lange hier und wir fühlen uns sehr wohl. Mein Wunsch ist: Dass nie mehr solch ein Krieg kommt, dass niemals mehr Menschen so in Not geraten und dass auch diese Menschen, die aus den heutigen fernen Kriegsgebieten geflohen sind, wieder froh und glücklich werden. Dabei wollen wir ihnen helfen.

 

Christa Hantschel geb. Lewy

 

75 Jahre Kriegsende – 75 Jahre Frieden und Freiheit

Mit diesem Bericht wollen wir an das Kriegsende vor 75 Jahren erinnern.

Zum 60.  und 70. Jahrestag haben wir mit Gedenkveranstaltungen an die furchtbaren Ereignisse vor und während des Zweiten Weltkrieges sowie an Flucht und Vertreibung nach dem Zweiten Weltkrieg erinnert.

Als 1945 die Waffen schwiegen, lag Deutschland in Trümmern. Millionen waren auf der Flucht. In Europa und Fernost hat der Zweite Weltkrieg mindestens 55 Millionen das Leben gekostet.

 In unserer kleinen Stadt wurde um

82 gefallene Soldaten

55 vermisste Soldaten und

3 zivile Opfer, die bei Bombenangriffen ums Leben kamen,

getrauert. 

Eine jüdische Gemeinde, die Jahrhunderte zusammen mit ihren christlichen Nachbarn die Dorfgemeinschaft bildete, wurde ausgerottet. Alle verloren ihre Heimat, viele ihr Leben.

Diesem grausamen und menschenverachtenden Kapitel unserer Geschichte hat der Heimat- und Verkehrsverein neben  seinen Gedenkveranstaltungen einen Abschnitt in dem von ihm herausgegebenen  Buch „Allendorf an der Lumda – Die Mitte des Tales“  gewidmet und  eine Broschüre „60 Jahre Kriegsende – Erinnerungen aus Region des Lumdatales“ herausgegeben. In einer Zeit, in der der Alltag der Menschen weltweit von dem  Corona-Virus geprägt wird und viele Einschränkungen erforderlich sind, um die Zahl der Todesopfer so gering wie möglich zu halten,  ist leider ausgeschlossen, zu öffentlichen Gedenkveranstaltungen einzuladen.

Wir möchten die abscheulichen Greueltaten, die mit Hitlers Machtübernahme 1933 begannen, 

nicht vergessen und einen Beitrag dazu leisten, dass Ähnliches nicht mehr geschieht. Wir leben in Deutschland seit 75 Jahren in Frieden und hoffen, dass dies so bleiben möge.

 

Das beste Denkmal, das wir schaffen können ist der Aufbau einer Gesellschaft, die über alle Grenzen hinweg von Toleranz, gegenseitiger Achtung und Humanität geprägt ist.

 

Wir sind

gegen Krieg

für Frieden

gegen Ausgrenzung

für Toleranz!

Da in de Vergangenheit vieles über die Vor- und Nachkriegsgeschichte geschrieben wurde, möchten wir heute Einiges aus dem Besitz des Allendorfer Heimatmuseums vorstellen, das bisher noch nicht gedruckt wurde.

Beginnen möchten wir mit dem bisher nicht veröffentlichten Kriegstagebuch von Heinrich Amend, der in Treis lebte. Heinrich Amend  (*26.3.1914  + Sept.1998) verlor durch den Zweiten Weltkrieg sein Bein. Danach war sein Leben von  Schmerzen geprägt.  Heinrich Amend  war Kassenverwalter in seiner Heimatgemeinde Treis. Durch seine berufliche Tätigkeit war er vielen Treisern bekannt. Aber auch in Allendorf war er kein Unbekannter.

In seiner Eigenschaft als Kassenverwalter hat er Jahrzehnte lang, den Allendorfer Kassenverwalter in Urlaubs- und Krankheitszeiten vertreten.  Umgekehrt erfolgte es ebenso, ohne jeglichen finanziellen Aufwand.   

Heinrich Amend hat sein Kriegstagebuch akribisch mit vielen Daten geführt. Damit der Text nicht zu lange wird, haben wir einige Zusammenfassungen vorgenommen. 

„ Kriegstagebuch von Heinrich Amend

 

  1. I.                  Einberufung und Ausbildung

Nachdem im Dritten Reich (von 1933-1945) durch die nationalsozialistische Regierung unter Adolf Hitler die allgemeine Wehrpflicht wieder eingeführt worden war,  wurde als erster der Jahrgang 1914, dem ich angehörte, zur zweijährigen Dienstpflicht eingezogen. Ich selbst war jedoch davon befreit, nachdem ich bei der Musterung 1937 zum Nachersatz - Infanterie eingezogen wurde und demnach für evtl. Ausfälle nachgezogen werden sollte.

 

Während die übrigen Kameraden im April 1937 eingezogen wurden, bekam ich einige Zeitspäter den Gestellungsbefehl nach Butzbach, der jedoch drei Tage vor dem Einrücken von dem Wehrbezirkskommando wieder zurückgenommen wurde.

 

Einen zweiten Gestellungsbefehl erhielt ich im Herbst 1937, dem ich infolge

Krankheit nicht Folge leisten konnte. Er wurde mir zurückgesandt mit einem ärztlichen Attest. Einen weiteren Gestellungsbefehl für eine zweijährige Dienstpflicht erhielt ich dann nicht mehr. Nach Auskunft vom Wehrbereichskommando sollten alle bis zum Herbst 1937 noch nichtgezogenen 1914er nur noch kurzfristig ausgebildet werden.

 

Ich wurde dann später auch zur achtwöchigen Ausbildung eingezogen und leistete dieselbe ab bei der 17. Ersatz-Maschinengewehr-Kompanie 116 in Gießen. Die  Kaserne des Ers.Btl.116 befand sich in der ehemaligen Zigarrenfabrik Gail im Schiffenberger Weg. Ich wurde in der Gruppe 2 bei UFFZ. Ochs ausgebildet.

 

  1. II.               Der Feldzug in das Sudetenland

 

Zum ersten Mal nach meiner Ausbildung wurde ich Ende Aug. 1938 zum Feldzug in das Sudetenland eingezogen zur 12. Kompanie Infanterie Regiment in Gießen. Nach einigen Tagen Zusammenstellung in Gießen

marschierten wir nach Lich zur Verladung. In gedeckten Waggons ging die Fahrt über Gießen, Würzburg, München nach Markt Schwaben. Nach einigen Tagen Aufenthalt ging es auf Lastwagen weiter über Mühldorf, Altötting nach Braunau. Die Nacht von Dienstag auf  Mittwoch verbrachten wir in einem Massenquartier in Rottenbach. Mit Lastenwagen ging es weiter bis nach Niederösterreich. Am Freitag 30.9.1938 kamen wir in Hollenstein an und blieben bis 08.10.1938 dort. Wir waren in einem  Saal bei Ignaz Gruber untergebracht. Am 9.10. marschierten wir um 6.15 los, um 12.00 Uhr traten wir in Gemünd I und Gemünd II über die Grenze in Zuggers (heute Krabonos/Tschechien).Vom 11.10. stießen wir als Feldposten bis zum 13.10.1938 vor. Danach erfolge die Ablösung durch die Österreicher. Wir marschierten zurück und waren am 18.10.1938 wieder an der deutschen Grenze (Neuhof). Mit der Bahn ging es zurück nach Gießen und einem dreitägigen Aufenthalt in der Kaserne erfolge die Entlassung.

 

  1. III.           Der Zweite Weltkrieg (1. Sept. 1939 – 8. Mai 1945)

 

Am 28. August 1939, dem dritten Mobilmachungstag wurde ich erneut eingezogen. Wer ahnte, dass man in den Zweiten Weltkrieg ziehen würde

und 6 Jahre lang die graue Uniform tragen würde.

Ich trat ein bei der 12. Komp. Inf. Reg. 471 in Gießen und zog mit dieser nach acht Tagen Aufstellung an den Westwall im Raume südlich von Düren und Aachen in der Eifel. In den Bunkerlinien des Westwalls wurden wir weiter hart ausgebildet und hatten unsere Quartiere in den Bunkern u. in den Ortschaften Hasenfeld, Schmidt, Simmerath, Mützenich u.a. Am 15.1.1940 wurde ich versetzt zur Nachschub Komp.der 251. InfDiv. und traf noch mit zwei Kameraden am gleichen Tag bei der derselben in Untermaulbach (Krs. Düren) ein. Hier wurde ich dem 2. Zug zugeteilt, der dem Verpflegungsamt 251 unterstellt war und kam nach Drowe. Hier tat ich Dienst als Verlader von Verpflegung und später als Buchhaltungsgehilfe der Anweisung.

 

Den Einmarsch in Belgien und Frankreich im März 1940 machte ich aber zum größten Teil wieder bei der Nachschub-Komp. mit, da ich bei Anbruch des Frankreich-Feldzuges bei dieser in weiterer Ausbildung stand. Während des Frankreich-Feldzuges kam ich dann wieder zum 2. Zug beim Verpflegungsamt 251, das uns später ganz übernahm und dann VerwaltungsKompanie 251 hieß.

 

Für uns endete der Feldzug in Frankreich in Brest und in St. Thegonnec bei Brest. Von hier versorgten wir die in dortigem Raum liegende Div. und der

ihr unterstellten Einheiten. In Brest erlebten wir fast täglich Luftangriffe der Engländer, auch den großen englischen Bombenangriff auf das Schlachtschiff „Gneisenau“, mit über 160 Tote und Verwundeten an Bord.

 

Am 1. Mai 1941 wurden wir in St. Thegonnec mit einer weiteren Komp. in einen langen Güterzug verladen und verließen Frankreich. Nach einer Fahrt quer durch Frankreich und Deutschland kamen wir am 5. Mai in Graudenz in Pommern an. Mit eigenen LKW´s ging dann die Fahrt weiter nach Ostpreußen mit folgenden Stationen:

14. Mai 1941 bis 14. Juni 1941 Mohrungen (Masuren)

14. Juni Hofgut Gross Pentlack Kamenka, ist ein Ort im russischen Verwaltungbezirk Kaliningrad

16. Juni – 22. Juni 1941  Jänischen.

Am 23.  Juni 1941, dem Beginn des Russlandfeldzuges, fuhren wir nach

Lindengarten. Während die ersten Div.Einheiten bereits in der Nacht vom 22. auf 23. Juni die Grenze überschritten, fuhren wir am 25. Juni um 12 Uhr, bei Schirwindt Kutusowo über die Grenze nach Litauen. Ein Vorkommando unserer Komp. war bereits am 24. Juni uns vorausgeschickt worden.

 

Der Russlandfeldzug ging dann über eine Anzahl von Stationen:

Am 25.6.1941 Ankunft in Sakiai (während de Krieges wurde der Ort von der deutschen Wehrmacht stark zerstört). Am 26.6.1941 ging es weiter nach Lekecia u. Padaugave über die Memel bis wir am 12. 7.1941 in Sadkowzyna waren. Das war ein  Beutelager ohne Beute. Kamerad Heinrich Nickel wurde getroffen. Am 22.7.41 kamen wir in Talankino an. Hier geht die  VA in Stellung wegen eines angeblichen Russendurchbruches. Es folgen zwei Fliegerangriffe ohne eigene Verluste. Am Nachmittag ist ein nochmaliger Fliegerangriff auf die Unterkunft Wassykowa.

 

Am 22.7.1941 geht es weiter nach Sachogino, um 18.20 Uhr und 23.40 Uhr zwei Fliegerangriffe, um 0.15 Uhr Russenangriff. Die Gefreiten Ramb und Hempel werden verwundet. 1 Russe wird erschossen. 

 

Vom 31.7. bis 16.8.1941 sind wir in Apm. (Perechodino) bei Nowosokolniki (Russland). Fast täglich werden von deutschen Fliegern Angriffe geflogen und es sind viele Gefangenen einzubringen.

 

Am 16.8.1941 Abfahrt nach Lowno vor Weliki-Lucie (50 km von Weissrussland entfernt).   

  

In den Jahren 1941und 1942 kam es um Welikije Luki zu heftigen Kämpfen zwischen der deutschen Wehrmacht und der roten Armee.

Das Tagebuch von Hrch. Amend berichtet für die Zeit vom 26.8. bis 26.12.41 von einzelnen Aufenthaltsorten mit folgenden Angaben:

Essensausgabe im Freien bei strömenden Regen,

Schneegestöber und Regen,

drei Partisanen greifen an

Abfahrt durch unvorstellbaren Schlamm,

Quartier in einer Kaserne mit Wanzen

Wieder Partisanenangriffe, Selbstversorgung

Große Schneeverwehungen und große Kälte

Bei 35 Grad Kälte nach Subzow.

 

Am 14. Jan. 1942 wird das Restkommando von Subtzow nach Pogoreloje-Goroditische bei Artilleriebeschuss verlegt. Heinrich Will wird getroffen.

 

Am 19.1.1942 Abrücken über Subtzow nach Korotowa bei 36 Grad Kälte

Am 29.1.1942 von Korotowa zurück über Subtzow nach Rschew

In der Folgezeit lebhafter Fliegerangriffe und Artilleriefernbeschuss.  

 

Die Schlachten um Rschew, die zwischen Januar 1942 bis März 1942 stattfanden, zählen zu den blutigsten Schlachten des Zweiten Weltkrieges.

Am 20.7.1942 nach Tschertolino und im Oktober 1942 nach Nikolinco.

 

Vom 2. 11.1942 bis 3.12.1942 habe ich Urlaub und werde zum Unteroffizier befördert.

 

Am 18.2.1943 Abfahrt mach Nikollino

 

Am 19.2. 1943 Ankunft in Andrejewskoje (Grenze zu Weissrussland), Bombardements, Kamerad Viol gefallen, Kamerad Asthalter verwundert)

 

9.3.1943 weiter nach Smolensk, Russland, 198 km

 

13.3.1943 nach Runia, 65 km

                 nach Seredina-Buda,

                 dann Korostowka.

 

In Korostowka bleiben wir einige Monate  bis in den Sommer hinein.

 

Danach erfolgt der Rückzug von Desna nach Wosyr. Während dieses Krieges errichteten die Deutschen in Mosyr ein Todeslager, in dem 4.700 Menschen sterben. Vom 22. August 1941 bis 14. Januar 1944 befand sich die Stadt unter Okkupation der Wehrmacht. In Mosyr wurde ich zur Alarmkompanie abgestellt. Im Dezember 1943 wurde ich verwundet und kam in das Res.Lazarett nach Landau in Oberbayern. Nach meiner Genesung wurde ich vom 24.1.1944  bis 14.2.1944  zu dem Gren.Ers. Btl. 451 in Fulda abkommandiert.

 

 

Am 1.5. 1944 musste ich mit der Genes. Marsch-Komp. 251 wieder nach Russland zum Feld-Ersatz-Batl. 251. Dort wurde ich  abkommandiert zur Kriegsgefangenen Bau-Abteilung 186. Es folgte der Arbeits-Bataillon Einsatz in den Pripjetsümpfen zum Straßen- und Stellungsbau. Dem schloss sich der Rückmarsch über Litowsk – Grenzübergang zu Polen – über die Weichsel, durch Warschau, dann südlich an die Pilica, an.

 

Bei Warka, am 19.9.44, erlitt ich meine zweite Verwundung und dieses Mal schwer. Ich verlor mein Bein.

 

In Polen wurde ich über den Hauptverbandsplatz in 7 Tage gebracht zu den Lazaretten Posen (29.9. bis 10.10.45, Aschersleben von 11.10. bis 15.7.1945, Braunschweig von 16.7.45 bis 16.8.1945, Wolfenbüttel vom 17.8.45 bis 11.10.1945. 

 

Am    12.10.1945, nachts zwischen 3 und 4 Uhr, bin ich von Wolfsbüttel geflohen nach Treis, in meine Heimat. Offiziell entlassen wurde ich  im Kriegsgefangenenlager Marburg am 19.10.1945.“

 

 Dies ist nüchterne Auflistung von Fakten und Daten eines 24jährigen Mannes, der sechs Jahre seines jungen Lebens  unter für uns heute unvorstellbaren Umständen mit Heimweh, Zweifeln, Ängsten, Hunger, Kälte, oft den Tod vor Augen und qualvollen Schmerzen, verbringen musste. Nach seiner schweren Kriegsverletzung war sein Leben nie mehr wie vorher.

Vielleicht hat das Schreiben seines Tagebuches dazu beigetragen, dass er letztendlich den Mut zum Weiterleben nicht verloren hat.

 

 

Wir werden in den folgenden Ausgaben Berichte von Menschen veröffentlichen, die die Vor- und nach Kriegszeiten mit erlebt haben.

 

  

Ausstellung historisches Ansichtskarten wird verschoben

Die für Sonntag, 3. Mai 2020 in Zusammenarbeit mit dem Archiv des Landkreises Gießen geplante Ausstellung historisches Ansichtskarten aus der Kernstadt Allendorf sowie der Stadtteile Climbach, Nordeck und Winnen in der Remise des Allendorfer Heimatmuseums müssen wir aus gegebenem Anlass absagen. Diese Entscheidung haben wir nach Rücksprache mit Frau Landrätin Anita Schneider, die die Eröffnungsansprache halten sollte, getroffen. Wir werden die Ausstellung zu einem späteren Zeitpunkt zeigen.

 

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben!

 

Die im Anschluss abgeduckte schwarz-weiß Ansichtskarte der Kernstadt Allendorf datiert aus dem Anfang der 50ziger Jahre.

 

In der oberen Hälfte ist eine Ansicht auf die Ortslage von der Kreisstraße nach Climbach aus zusehen. Das Baugebiet Westerfeld/Hirschsprung ist noch nicht begonnen. Das Verkehrsschild auf der linken Seite weißt auf den unbeschrankten Bahnübergang hin.

 

 

 

Auf der unteren Hälfte ist das Haus Schneider, Marktstraße 2, sowie ein weiteres Gebäude zu sehen. Das Haus Schneider Ecke Treiser Straße/Marktstraße sowie die Nebengebäude mussten in den siebziger Jahren einem Parkplatz bzw. einem Ladenumbau weichen.  

 

 

Ihr

Heimat- und Verkehrsverein Allendorf (Lumda) e.V.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

650 Jahre Allendorf (Lumda)

 

Allendorfer Stadtfahnen                                                                                                             

 

 

Liebe Allendorferinnen und Allendorfer,

 

in diesem Jahr kann Allendorf (Lumda) auf 650 Jahre Stadt- und Marktrechte zurückblicken. Dieses Jubiläum soll u.a. mit einem stehenden Festzug am Sonntag, 1.11.2020 im historischen Stadtkern gefeiert werden.

Wir hoffen, dass trotz Corona dieses Fest stattfinden kann.

 

Wir möchten unseren Mitbürgerinnen und Mitbürgern nach zwei erfolgreichen Bestellaktionen nochmals Gelegenheit geben, für dieses historische Fest ihre Häuser mit einer Allendorfer Stadtfahne zu schmücken. 

 

 

Die Konditionen sind die gleichen geblieben. Die Lieferfirma hat zu unserer Freude keine Preiserhöhungen vorgenommen.

 

Es werden wieder sowohl Hissfahnen als auch Hängefahnen des Formates von jeweils 150 x 90 cm angeboten.

 

Stoffqualität: Polyesterwirkware mit ca. 110g/qm, Wirkware aus Markenpolyester.

 

Konfektion: Drei Seiten mit Doppelsicherheitsnaht gesäumt, die linke kurze Mastseite bzw. die obere kurze Seite mit starkem weißen Gurtband, pro lfdm je ein PVC-Patenthaken oder preisgleich ein Hohlsaum oder Ösen. Die Farben sind licht-, luft-, wasser- und sonnenecht.

 

Bei der Bestellung bitten wir anzugeben, ob eine Hissfahne oder eine Hängefahne gewünscht wird.

 

Weiter bitten wir folgendes anzugeben:

Wünschen Sie eine Hissfahne, so gibt es folgende Ausstattungsvarianten:

1)    mit 2 Karabinerhaken

2)    mit 2 Ösen

 

Wünschen Sie eine Hängefahne, so sind folgende Ausstattungsvarianten möglich:

An der kurzen  Seite

a) ein Hohlsaum

b) Karabinerhaken oder

c) Bannereinrichtung mit Querstange mit Abschlusskappen und

    Dreiecksaufhängung.

    

Die c-Variante mit der schönen Holzstange kostet zusätzlich 10 €.

Je höher die Abnahme ist, umso günstiger wird der Preis für die einzelne Fahne.

 

Preise:

bei    5 Stück                          39,00 €/Stück

bei  10 Stück                          33,00 €/Stück

bei  20 Stück                          27,00 €/Stück  

 

Bestellungen bitten wir bis zum 31. Mai 2020 abzugeben, damit die Fahnen bis spätestens zum  650. Nikelsmarkt ausgeliefert werden können.

 

Heimat- und Verkehrsverein Allendorf (Lumda) e.V.

Auf der Dreispitz 14

35469 Allendorf (Lumda)

Telefon 06407-5267 oder 0160-94939544

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