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Ansichtsjarte von 1913

Aus dem Allendorfer Heimatmuseum

 

Vor kurzem ist eine außergewöhnliche Ansichtskarte in unseren Besitz gelangt.

Auf der Karte ist die Climbacher Straße, später Bahnhofstraße, in Richtung Ortsmitte um 1910 zu sehen. Der Kirchturm der Evangelischen Kirche ragt aus der Dachlandschaft heraus.

 

Die Postkarte trägt eine belgische Briefmarke. Im unteren Teil der Briefmarke ist in französischer und flämischer Sprache aufgedruckt:

„Nicht zustellen am Sonntag“.  Sie ist an eine Mademoiselle …………

gerichtet. Weder der Familiennamen der Empfängerin noch der Bestimmungsort sind zuzuordnen. Der Text ist in französischer Sprache geschrieben.  

 

Die deutsche Übersetzung lautet:

„Den 15 Juli 1913

Meine liebe Leonie

Entschuldige, daß ich dich morgen Nachmittag nicht besuchen kann. Ich bin ganz und gar verhindert. Warum werde ich dir am nächsten Mittwoch erklären.

Liebe Grüße von uns an dich. Einen lieben Kuss von

Julia“ 

 

Wer könnte diese Julia gewesen sein, die in Belgien 1913 eine Ansichtkarte von Allendorf mit französischem Text, an eine Leonie in Belgien schickt?

Welchen Bezug hatte sie zu Allendorf?

Der Judenfriedhof in Allendorf

Vor wenigen Tagen, am 27. Januar, fand der Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust statt. Jüdisches Leben war bis zur NS-Zeit selbstverständiger Bestandteil in den Gemeinden und Städte unserer Region. Der Heimat- und Verkehrsverein Allendorf (Lumda) beschäftigt sich von Anbeginn mit dem Leben und Wirken der ehemaligen jüdischen Mitbürger in Allendorf, die über Jahrhunderte Teil der Dorfgemeinschaft waren und Tür an Tür mit ihren christlichen Nachbarn lebten. In dem von dem Heimat- und Verkehrsverein 1987 herausgegebenen Buch „Allendorf an der Lumda - Die Mitte des Tales“ wird ausführlich in dem Kapitel „Die Juden - ihr Kommen, ihr Wirken und ihr Schicksal“ über sie berichtet. Anlässlich der 1200 Jahrfeier der Ersterwähnung von Allendorf im Jahre 1988, vergaß der Verein die ehemaligen Allendorfer Mitbürger nicht. Erstmals wurde öffentlich an sie gedacht. Auf dem jüdischen Friedhof wurde ein Gedenkstein aufgestellt, der an 24. Juli 1988 in einer Feierstunde im Rahmen der 1200 Jahrfeier unter großer Beteiligung der Bevölkerung, enthüllt wurde. Die bronzene Gedenktafel, die auf dem Stein angebracht ist, trägt folgenden Text:

„In Allendorf/Lda. lebten seit Jahrhunderten jüdische Einwohner, die während der Naziherrschaft 1933 -1945 gedemütigt, entrechtet, vertrieben, verschleppt und ermordet wurden. Ihr Schicksal darf nicht vergessen werden.
Wehret den Anfängen."

Für die Bürger dieser Stadt:
Heimat- und Verkehrsverein Allendorf, 1988

Ein Mahnmal für die Menschlichkeit - ein Basaltfels wider das Vergessen.

Später wurde eine weitere Gedenkstätte auf dem Platz Ecke Treiser Straße/Kirchstraße mit sieben Basaltstelen errichtet.
Die Freifläche entstand durch den Abbruch von drei Häusern in den 1960er Jahren.
In diesen Gebäuden lebten bis zur NS-Gewaltherrschaft Einwohner jüdischen Glaubens.

Da dieser Platz einen starken historischen Bezug für jüdisches Leben in Allendorf hat, wurde er als Standort für die Gedenkstätte ausgewählt.
28 Metalltafeln an den Stelen erinnern an die einstigen jüdischen Mitbürger. Die Einweihung fand am 14. September 2014 statt.


Von re: Amon Orbach, Vorsitzender der jüdischen Gemeinde Marburg, Walter Deissmann, Vorsitzender des Heimat- und Verkehrsvereins, Ruth Wagner, Präsidentin des Hess. Landtages und Kurt Willner, Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Allendorf (Lumda).Enthüllung des Gedenksteines am 24.7.1988
Von re: Amon Orbach,... 
Gedenkfeier am 24.7.1988 auf dem jüdischen Friedhof
Enthüllung des Denkmals
Gedenkfeier am 24.7.1988... 
 
 

Historisches Mitteilungsblatt

50 Jahre Allendorfer Mitteilungsblatt

Am 2. Oktober 1970 erschien die erste Ausgabe des Allendorfer Mitteilungsblattes. Gedruckt wurde es vom luweidruck - Druckerei und Verlag Ludwig Weickhardt in Butzbach. Alle Manuskripte einschließlich der Vereins- und Kirchennachrichten, die ärztlichen -, tierärztlichen - und Apothekendienste etc. (natürlich alle in Papier) sowie die amtlichen Bekanntmachungen wurden bei der Stadtverwaltung gesammelt. Ein Mitarbeiter der Druckerei holte die Manuskripte jeweils dienstags bei der Stadtverwaltung zum Druck ab. Das „Blättchen“ wie es umgangssprachlich genannt wird, erschien damals am Freitag jeder Woche. Inzwischen hat sich einiges verändert. Herausgeber, Druck und Verlag ist das Mittelhessische Duck- und Verlagshaus Giessen (Giessener Allgemeine) seit 1985. Der luwei-druck hatte seinen Betrieb eingestellt. Auch hat sich das Aussehen und der Name des Blättchens geändert. Herausgeben wurde es zu Beginn unter dem Namen: „Mitteilungsblatt der Stadt Allendorf a. d. Lumda“, so lautet er heute „Allendorfer Mitteilungen“. Viele Jahre wurde es in schwarz-weiß gedruckt. Heute erscheint es im Vierfarbendruck.

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Bis zur Einführung des Mitteilungsblattes waren alle Bekanntmachungen durch den Ortsdiener oder durch Aushang im Bekanntmachungskasten verkündet worden. Der Artikel in der ersten Ausgabe der Allendorfer Nachrichten von Bürgermeister Wilhelm Schwarz (1948 bis 1972) schildert sehr anschaulich die Gründe für den Wechsel von der Ortsschelle zum Mitteilungsblatt:

„Zur Einführung
Liebe Bürgerinnen und Bürger!
Die Stadtverordnetenversammlung hat in ihrer Sitzung am 18. September 1970 beschlossen, ein Gemeinde-Mitteilungsblatt unter der Bezeichnung „Mitteilungen der Stadt Allendorf an der Lumda“ einzuführen. Als Leitbilder haben wir gewählt: Das 600 Jahre alte Stadtwappen und das im Juli dieses Jahres seiner Bestimmungen übergebene Bürgerhaus.

Wir wollen damit sinnbildlich zum Ausdruck bringen, wie reich und bewegt unsere Geschichte gewesen ist und wie schön durch das harmonische Schaffen und Gestalten der Bürger unser Städtchen heute geworden ist.

Mit der Einführung des Mitteilungsblattes ist die Ortsschelle mit ihren handgeschmiedeten Buchstaben „Vor die Stadt Allendorf 1815“ nun nicht mehr verbindlich. Dieser metallene Künder bei der Meisterung gemeindlichen Schicksals bleibt für unsere Generation nur noch Erinnerung. Auch die seitherigen Bekanntmachungen in den Aushängekasten entfallen damit.

Bürgermeister Walter Deissmann und der Ortsdiener Heinrich Reihardt
Bürgermeister Walter Deissmann und der Ortsdiener Heinrich Reihardt


Wir nehmen an und sind davon überzeugt, dass wir mit der Einführung des Mitteilungsblattes einen langgehegten Wunsch vieler Einwohner Rechnung tragen. Jetzt haben alle interessierten
Bürger die Möglichkeit, die Geschehnisse der Stadt in Ruhe zu Hause lesen zu können, was bisher nicht der Fall war. Durch diese Maßnahme soll auch unser Bekanntmachungswesen einen Fortschritt erfahren. Nicht selten ist es vorgekommen, daß die Bekanntmachungen in den Kästen durch Witterungseinflüsse unleserlich wurden.

Viele Einwohner arbeiten auswärts. Sie verlassen in der Regel während der Wintermonate bei Dunkelheit ihre Wohnung und kommen auch erst bei Dunkelheit wieder zurück. Sie alle hatten keine Gelegenheit, die Bekanntmachungen zu lesen bzw. durch die Ortsschelle zu hören.

Das alles wird jetzt durch die wöchentliche Erscheinung des Mitteilungsblattes vermieden. Alle haben nunmehr die Möglichkeit, das für sie Bedeutungsvolle zu Hause in Ruhe zu lesen. Auch wichtige Termine können nicht mehr verstreichen, ohne daß der gesamte angesprochene Personenkreis Gelegenheit hatte, sich ausreichend zu informieren. Nicht nur über die Bekanntmachungen der Stadtverwaltung kann sich der Bürger zu Hause informieren, sondern auch über die Bekanntmachungen von Vereinen, von Kirche und Schule. Jedem ist jetzt die Möglichkeit gegeben, seine Mitteilungen kostenlos seinem Interessentenkreis zu unterbreiten.

Wir empfehlen daher, den in Frage kommenden Institutionen, sich diese Möglichkeit nicht entgehen zu lassen. Private Anzeigen (Danksagungen usw.) auch Inserate von ortsansässigen Geschäften und Betrieben werden ebenfalls in dem Mitteilungsblatt veröffentlicht. Die Gebühren für Inserate dieser Art sind nach unserer Information sehr niedrig gehalten. Der Verlag, Druckerei Ludwig Weickhardt, Butzbach, der den Druck und die Auslieferung des Blattes übernimmt, wird hierüber noch an anderer Stelle Auskunft erteilen.

Redaktionsschluß ist jeweils dienstags, um 12.00 Uhr. Das bedeutet, daß bis zu diesem Zeitpunkt Anzeigen und Texte, die in der betreffenden Woche (Auslieferung ist donnerstags) im Mitteilungsblatt erscheinen sollen, bei der Stadtverwaltung vorliegen müssen.

Magistrat und Stv.-Versammlung haben den Wunsch und die Hoffnung, daß auch unsere Einwohner den hier geschaffenen Fortschritt unterstützen werden. Das Blatt erscheint ab sofort. Es wird bis Ende Oktober kostenlos zugestellt. Ab 1. November 1970 wäre es zu abonnieren.

Der vierteljährliche Bezugspreis beträgt 2,70 DM (einschl. Trägerlohn).

Diese wirkliche sehr niedrige Bezugsgebühr sollte dazu beitragen, daß möglichst alle Haushaltungen mittels Bestellzettel, der demnächst dem Mitteilungsblatt beigelegt wird, das Blatt ab 1. November abonnieren. Die Bestellung bitten wir bei der Stadtverwaltung abzugeben.

Es wäre wünschenswert, wenn bis Mitte Oktober die Zahl der Bezieher feststeht, damit der Verlag eine Übersicht hat, wie viele Blätter ab 1. November 1970 zu drucken sind. Ab diesem Zeitpunkt können selbstverständlich nur noch die Haushalte beliefert werden, die das Mitteilungsblatt auch bestellt haben.

Bitte tragen Sie, liebe Bürgerinnen und Bürger, dazu bei, daß der mit der Herausgabe dieses Blattes verfolgte Nutzzweck, nämlich eine breite Streuung und Vertiefung des Bekanntmachungswesens erreicht wird und somit das Mitteilungsblatt mit unseren Gedanken, Wünschen und Willensbestrebungen ein echtes Bindeglied zwischen Stadt und Bürger darstellt.

Mit freundlichen Grüßen

Schwarz, Bürgermeister“

Zwischen dem Einführungstext von Bürgermeister Wilhelm Schwarz ist folgendes Zitat von Fr. Rückert abgedruckt:
„Am Abend wird man klug
Für den vergang´nen Tag;
Doch niemals klug genug
Für den, der kommen mag.“

Inzwischen ist die Nachrichtentechnik weiter vorgeschritten. Alle Texte und Fotos werden digital an die Druckerei übermittelt. Alle amtlichen Bekanntmachungen der Stadt Allendorf (Lumda) werden neben dem Abdruck in dem Mitteilungsblatt auch auf der Internetseite der Stadt veröffentlicht.


BU:
Die Titelseite der ersten Ausgabe des Mitteilungsblattes der Stadt Allendorf a. d. Lumda


BU:
Die ehrwürdige über 200 Jahre alte Ortsschelle, die zum Fundus des Heimatmuseums gehört.

BU:
Heinrich Reinhardt 1. mit Ortsschelle, der oft vertretungsweise die Dienste des Ortsdieners
ausübte.





Heimat- und Verkehrsverein Allendorf (Lumda)
Träger des Allendorfer Heimatmuseums
Kontaktdaten:
Telefon 06407-5267 oder 0160-94939544
Fax: 06407-404629
E-Mail Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

www.heimatmuseum-allendorf.de

 

 


Öffnung in Zeiten von Corona

Das Heimatmuseum ist coronabedingt weiter geschlossen

Coronabedingt muss auch das Allendorfer Heimatmuseum leider mindestens bis zum 14. Februar 2021 geschlossen bleiben. Ob danach wieder Veranstaltungen stattfinden können, kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht beurteilt werden. Dies ist abhängig von der Entwicklung der Corona-Pandemie und von den in diesem Zusammenhang getroffenen Anordnungen.
    

Wir bitten um Euer/Ihr Verständnis.


Bleibt gesund!

Bullenkazf

 

 

Kauf eines städtischen Zuchtbullen, 1957

Von li. Bürgermeister Wilhelm Schwarz, Ludwig Stoos , mit weißem Kittel Viehhändler Ludwig Wißner und Kommunalpolitiker Gerhard Lemp

von re. Gerhard Lemp und Viehhändler Ludwig Wißner

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts begann man in Deutschland den Gemeinden die Pflicht zur Vatertierhaltung aufzuerlegen. Einzelne Bauern wurden daraufhin für die Haltung der Vatertiere von den Städten und Gemeinden in Vertrag genommen und entlohnt oder es wurde ein kommunales Gebäude für die Haltung der Vatertiere genutzt  und eine Person betraut, die sich zur Pflege und Unterhaltung des sogenannten Faselstalles verpflichtete. Das Gesetz zur gemeindlichen Pflicht der Vatertierhaltung wurde zum 1.1. 2000 aufgehoben. Bis dahin hatte sich die seit den 1960er Jahren angewendete künstliche Besamung schon lange durchgesetzt - auch in Allendorf.

Der letzte städtische Faselstall befand sich in der Nordecker Straße 3 (ehemalige Synagoge). Wurden zunächst Ziegenböcke, Bullen und Eber gehalten, war zum Schluss nur noch ein Eber vorhanden.

Die letzten Faseltierhalter waren Heinrich Weiß I. (Londorfer Straße) und Heinrich Merkel (Treiser Straße). Durch den zunehmenden Straßenverkehr wurde des immer gefährlicher die Tiere durch den Ort zu führen. Dies hatte zur Folge, dass vermehrt die künstliche Besamung in Anspruch genommen wurde. Bei Abschaffung des Zuchtbullen, wurde kommunalpolitisch diskutiert, ob den Bauern zu den Kosten der künstlichen Besamung ein städtischer Zuschuss gewährt werden sollte. Dieser wurde auch für eine zeitlang von der Stadt an die Tierhalter gezahlt. Ende der 1970er Jahre wurde die Vatertierhaltung in Allendorf endgültig eingestellt.

In zwei Monaten findet die Kommunalwahl statt. Vor rd. 60 Jahren wäre die Qualität (Abstammung usw.) eines anzuschaffenden Bullen oder Ebers ein heiß diskutiertes Thema bei der Kommunalwahl gewesen. Die Bauern wünschten sich hochwertige Tier und waren unzufrieden, wenn die Kommune nicht den entsprechenden Kaufpreis bereitstellte. Die Zeiten haben sich sehr verändert und damit auch die kommunalpolitischen Aufgaben und Themen. Natürlich war auch der Bürgermeister bei der Auswahl und dem Kauf eines neuen Vatertieres dabei. 

 

Heimat- und Verkehrsverein Allendorf (Lumda) e.V.

Träger des Allendorfer Heimatmuseums

Kontaktdaten:

Heimat- und Verkehrsverein Allendorf (Lumda) e.V.

Telefon: 06407-5267 oder 0160-94939544

Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Der Nordecker Steinbruch

 

Aus dem Archiv des Allendorfer Heimatmuseum

 

Die ehemalige Steinbruch-Abfallkippe an der Straße „Am Steinbruch“ in Nordeck ließ die Stadt Allendorf in den Jahren 1979/1980 kostenlos rekultivieren, indem die im Stadtbereich tätigen Tiefbaufirmen verpflichtet wurden, alle anfallenden überschüssigen Erdmassen in diesem Bereich einzubringen. Nach Abschluss dieser Maßnahme wurde dem Oberhessischen Gebirgsverein (OHGV) Zweigverein Nordeck das Areal als Vereinsgelände zur Verfügung gestellt.  Auf diesem Gelände errichtete anschließend der OHGV unter dem Vorsitz von Gotthard Debelius ein schmuckes Vereinsheim. Das Vereinsheim und die Außenanlage, wurden zwischenzeitlich umgestaltet, u.a. wurde eine Boulebahn angelegt, und werden für das rege Vereinsleben vielfältig genutzt.   

Auf den Fotos ist der ehemalige Steinbruch vor der Rekultivierung, das Vereinsheim des OHGV, während des Baues und nach seiner Fertigstellung (Ende der 1970er Jahre), zu sehen.