{"id":1207,"date":"2026-04-28T10:06:46","date_gmt":"2026-04-28T08:06:46","guid":{"rendered":"https:\/\/heimatmuseum-allendorf.de\/?p=1207"},"modified":"2026-04-28T10:07:42","modified_gmt":"2026-04-28T08:07:42","slug":"ankunft-von-heimatvertriebenen-vor-80-jahren-in-allendorf-lumda-neue-heimat-gefunden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/heimatmuseum-allendorf.de\/?p=1207","title":{"rendered":"Ankunft von Heimatvertriebenen vor 80 Jahren in Allendorf (Lumda) neue Heimat gefunden"},"content":{"rendered":"\n<p><strong><em>Dem einen oder anderen Gast des B\u00fcrgerstreffs Allendorfer Altstadt istsicherlich die Bronzetafel an der westlichen Fassade aufgefallen. Der Text der Tafel lautet:<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>\u201eAm 7. Mai 1946 haben 120 Menschen aus Herzogwald im Sudetenland, nach der Vertreibung aus ihrer Heimat, in Allendorf\/Lumda Zuflucht gefunden.\u00a0\u00a0In Dankbarkeit f\u00fcr die Aufnahme und das gelebte Miteinander.Die Herzogw\u00e4lder Dorfgemeinschaft\u201cDiese Tafel wurde im Jahre 2021 an dem B\u00fcrgertreff angebracht. Die Initiative f\u00fcr die Erstellung der Erinnerungstafel ging von Otto Stein aus, die in Herzogwald geboren wurde und als Jugendliche die Vertreibung aus ihrem Geburtsort, den unw\u00fcrdigen Transport in einem Viehwaggon und die Ankunft in Allendorf erlebt hat. Leider durfte sie die Anbringung der Gedenktafel nicht mehr miterleben.\u00a0Am 7. Mai dieses Jahres sind 80 Jahre vergangenen seit der Ankunft der Herzogw\u00e4lder in unserer Stadt. Wir m\u00f6chten dieses geschichtstr\u00e4chtige Datum zum Anlass nehmen und zur\u00fcckblicken.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Am Ende der menschenfeindlichen Ideologie des Nationalsozialismus, der Deutschland und ganz Europa in die ungeheure Trag\u00f6die des Zweiten Weltkrieges gerissen hat, stand das schmerzvolle Leid der Vertriebenen und Fl\u00fcchtlingen.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>14 Mill. Menschen mussten nach dem Zweiten Weltkrieg das Grauen von Flucht und Vertreibung erleben. Viele Lebenszeugnisse handeln von Angst angesichts der n\u00e4her r\u00fcckenden Front, von Vergewaltigung, Gewalt und Hunger, von qualvoll langen Wegen bei eisiger K\u00e4lte \u00fcber verw\u00fcstetes Land oder die eiskalte Ostsee, zu Fu\u00df \u00fcber das zugefrorene Eis oder auf heillos \u00fcberf\u00fcllten Schiffen.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Andere Zeugnisse erz\u00e4hlen von Trennung und der Suche nach Kindern und nahen Angeh\u00f6rigen. Es sind bis zu 2 Millionen Menschen, die im Zusammenhang mit Flucht und Vertreibung als Folge des Zweiten Weltkrieges ums Leben gekommen sind.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Wer Flucht und Vertreibung nicht erlebt hat, kann nie wirklich verstehen, was das f\u00fcr die, die das am eigenen Leib erlebt haben, bedeutet. Und zwar nicht nur f\u00fcr die Erlebnisgeneration, sondern \u00fcber Generationen hinweg.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Wer die Heimat zwangsweise verlassen muss, sp\u00fcrt h\u00e4ufig eine lebenslange Wunde, die nur oberfl\u00e4chlich verheilt und immer wieder aufbricht.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Der Heimat- und Verkehrsverein besch\u00e4ftigt sich seit Jahrzehnten mit der Geschichte der Fl\u00fcchtlinge und Heimatvertriebenen. Sehr oft wurden uns Begebenheiten \u00fcber die Vertreibung geschildert, \u00fcber die wir entsetzt sind und f\u00fcr beh\u00fctet aufgewachsene Menschen unvorstellbar, sind. Gleiches gilt auch f\u00fcr Kriegsfl\u00fcchtlinge und Asylsuchende aus anderen Teilen der Welt, die in den letzten Jahren in unserer Stadt Unterkunft gefunden haben.&nbsp;<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Als wir darum baten, \u00fcber das Erlebte zu erz\u00e4hlen, wurde dies einige mal mit den Worten abgelehnt, das ist mir zu schmerzhaft und bereitet mir wieder schlaflos N\u00e4chte. Selbst Nachkommen von Heimatvertriebenen wollen nicht \u00fcber das Schicksal ihrer vertriebenen Eltern sprechen, da sie dies zu sehr aufregt und belastet.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Die gr\u00f6\u00dfte Gruppe unter den vor 80 Jahren zugewiesenen Neub\u00fcrgern waren die Herzogw\u00e4lder. &nbsp;Die tiefe Verbundenheit mit ihrem Schicksal wurde durch eine Patenschaft zwischen der Stadt Allendorf und den Herzogw\u00e4ldern am 30. Mai 1982 besiegelt. Zur Erinnerung pflanzten einige Herzogw\u00e4lder zusammen mit dem damaligen B\u00fcrgermeister Walter Deissmann eine von ihm gespendete Linde auf \u201eder Hombergwiese\u201c.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Das Dorf Herzogwald lag im Kreis B\u00e4rn und hatte 17.5.1939 591 Einwohner.&nbsp; Herzogwald war immer eine deutsche Gemeinde. 1945 wurde das Gebiet von Truppen der Sowjetunion besetzt, die die Kontrolle \u00fcbernahmen. Die deutsche Bev\u00f6lkerung war praktisch vogelfrei. Den Einwohnern, insbesondere den Frauen wurde gro\u00dfes Leid zugef\u00fcgt. Am 26. April 1946 erfolge die Vertreibung der Deutschen aus Herzogwald. Das Dorf Herzogwald gibt es nicht mehr. Die H\u00e4user wurden niedergewalzt und eingeebnet. Auf dem so entstandenen Gebiet wurden B\u00e4umen gepflanzt und erhielt den Namen \u201eLesy\u201c, \u00fcbersetzt \u201eW\u00e4lder\u201c.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Das Aussiedlerlied,<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>das bei der Vertreibung 1946 im Lager B\u00e4rn gesungen wurde:\u201eSchon vor Wochen h\u00f6rte man die Tschechen schrei\u00b4n,\u201eNjemci kommt und holt Euch den Aussiedlerschein.\u201cNun ist\u00b4s wahr geworden und wir m\u00fcssen raus,mancher weinet Tr\u00e4nen um sein Vaterhaus.Nun besitzen wir doch weder Haus noch Heim.Teure Heimat wir gedenken dein.In der weiten Ferne, wo kein Mensch uns kennt.Sehnsucht nach der Heimat uns im Herzen brennt.F\u00fcnfzig Kilo ist jetzt unser Hab und Gut,Deutsche sind wir und das gibt uns frohen Mut.Auf den Herrgott droben weiter wir vertraun,er helf uns auch in Deutschland eine Heimat bau\u00b4n.Und dann fangen wir ein neues Leben anUnd vergessen alle Sorg\u00b4 und allen Gram.Bei den Amerikanern m\u00f6g\u00b4s uns besser gehen,Aber daran denken: Auf ein Wiedersehn!O Sudetenland, wie bist du doch so sch\u00f6nWenn man schaut ins Tal von deinen stolzen H\u00f6h\u00b4n.Und den Tschechen w\u00fcnschen wir noch recht viel Gl\u00fcck,vielleicht sehnen sie uns Njemci noch zur\u00fcck.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Es liegen uns viele Berichte von Zeitzeugen vor, die als Kinder oder als Jugendliche durch Zwang ihr Zuhause und deren Familien ihr gesamtes Hab und Gut verloren haben. Als Fremde kamen sie nach Allendorf.&nbsp; Von den Einheimischen wurden sie nicht immer mit offenen Armen willkommen gehei\u00dfen.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Das Zusammenleben von Altb\u00fcrgern und Neub\u00fcrgern war in der Nachkriegszeit auch in Allendorf nicht immer einfach und problemlos. Es galt nicht nur den allgegenw\u00e4rtigen Mangel an Nahrungsmitteln und Kleidung, sondern vor allem den Wohnraum m\u00f6glichst konfliktlos zu verwalten. Da auch noch ein Teil der ausgebombten Gie\u00dfener und Frankfurter Familien in Allendorf wohnte, stellte der Zuzug und die Unterbringung der \u00fcber 500 Heimatvertriebenen und Fl\u00fcchtlingen eine kaum zu bew\u00e4ltigende Aufgabe dar.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Die objektiven Schwierigkeiten kumulierten zudem, denn mit der reinen Unterbringung waren die Probleme ja noch keineswegs gel\u00f6st. Die zur Verf\u00fcgung gestellten Wohnr\u00e4ume (oft nur ein Zimmer f\u00fcr mehrere Personen, ohne Wasser und Abwasser) mussten mit dem notd\u00fcrftigsten Hausrat und Wohnungsinventar ausgestattet werden.&nbsp;<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Dieser Bedarf wurde zu einem Teil von Einheimischen durch Spenden oder Leihen von M\u00f6beln gedeckt, zum anderen musste Vieles auch angekauft werden. Auf den Schriftst\u00fccken in unserem Archiv ist das nachzulesen.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Die Nahrungsmittelversorgung der Heimatvertrieben stellte die Gemeinde-verwaltung ebenfalls vor erhebliche Probleme, denn die erforderlichen zus\u00e4tzlichen Mengen waren von den \u00f6rtlichen Bauern kaum zu erwirtschaften. Die Zuteilung der Einzelmengen f\u00fcr Fleisch, Fett, Brot, Kartoffeln etc. erfolgte auf der Basis der Zwangsbewirtschaftung mittels Lebensmittelkarten und Bezugscheinen.&nbsp;<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>In unseren Archivunterlagen befindet sich auch folgende Ver\u00f6ffentlichung in den Amtlichen Bekanntmachungen f\u00fcr den Landkreis Giessen:<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>\u201eWohnraum schaffen f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge und andere Obdachlose!<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Zahlreich sind in den Gemeinden des Kreises die H\u00e4user, in welchen durch Ausbau der Dachgeschosse mit geringem Materialaufwand neuer Wohnraum geschaffen werden kann. Auch die handwerklichen Kr\u00e4fte sind durchweg in allen Orten vorhanden.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Es darf im Winter 1945\/46 kein Stillstand im Baugesch\u00e4ft infolge Frost eintreten. Der \u00dcbergang von den Au\u00dfenarbeiten zu dem Ausbau der Dachgeschosse sowie Hinter- und Nebengeb\u00e4uden zu Wohnungen ist unverz\u00fcglich vorzunehmen.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Ich ersuche die Herren B\u00fcrgermeister bis zu 10. Dezember 1945 die in ihren Gemeinden in Frage kommenden Ausbaum\u00f6glichkeiten zu melden. Aus der Meldung mu\u00df hervorgehen, wie viel Wohnungen bzw. Einzelr\u00e4ume im Zuge dieser Aktion geschaffen werden k\u00f6nnen und wie viel Menschen dadurch Unterkunft finden k\u00f6nnen.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Der Termin 10.12.1945 ist unbedingt einzuhalten. Die sofortige Inangriffnahme solcher Bauarbeiten durch die Initiative der Herren B\u00fcrgermeister und der Hausbesitzer findet meine volle Unterst\u00fctzung. Auch die Behelfsheime m\u00fcssen unverz\u00fcglich fertig gestellt werden.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Gie\u00dfen, 28. Nov. 1945&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Der Landrat: Dr.&nbsp; Wagenbach\u201c<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>\u201eFl\u00fcchtlingstransporte \u2013Fl\u00fcchtlingsbetreuung<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>F\u00fcr die Weiterbef\u00f6rderung der ersten angekommenen Fl\u00fcchtlingsz\u00fcge haben sich in anerkennenswerter Weise viele Kraftfahrzeugbesitzer und Fahrer eingesetzt. So ist der reibungslose Weitertransport der so schwer getroffenen Menschen im wesentlichen den hilfsbereiten Kr\u00e4ften zu danken.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Eine angenehme Pflicht erf\u00fclle ich, wenn ich auch an dieser Stelle den Kraftfahrzeugbesitzern und Fahrern meinen Dank und meine Anerkennung ausspreche. Dieser meinen Dank gilt aber auch den vielen&nbsp; Helfern vom Roten Kreuz, der Arbeiterwohlfahrt, der Caritas und der Inneren Mission,&nbsp; die den vielen Ausgewiesenen so hilfreich zur Seite standen.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Ich bin gewi\u00df, dass auch bei Ankunft weiterer Fl\u00fcchtlingstransporte Kraftfahrzeugbesitzer, Fahrer und Helfer sich wieder freudig zur Verf\u00fcgung stellen und mithelfen werden das schwere Los der Fl\u00fcchtlinge zu mildern. Wir wollen das Leid, das andere verschuldet haben und in das diese Ausgewiesenen unverschuldet geraten sind, durch unsere helfende Anteilnahme lindern.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Gie\u00dfen, 4. M\u00e4rz 1946&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Der Landrat:&nbsp; Dr. Wagenbach\u201c<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>\u201eAufruf<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Weihnachten, das Fest der Freude, steht vor der T\u00fcr. Wir alle freuen uns darauf, um unsren Liebsten eine besondere Freude zu bereiten.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Aber denken wir dabei, dass wir Tausende von Neub\u00fcrgerfamilien in allen Gemeinden des Kreises haben, die absolut keine M\u00f6glichkeiten besitzen, ihren Kindern eine Freude in Form von Spielzeug oder Weihnachtsgeb\u00e4ck zu machen.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Indem wir ihnen eine Freude bereiten wollen, geben wir ihnen von Unserem etwas ab! \u2013<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Geben wir ihnen also:<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Spielwaren und andere Geschenke, auch Kleider und Hausrat; geben wir von unserem Mehl und anderen Backzutaten etwas ab, damit auch diese, unsere Br\u00fcder und Schwestern, einen Festtagskuchen haben!<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Je mehr wir helfen, umso gr\u00f6\u00dfer soll unsere Weihnachtsfreude sein!<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>In den n\u00e4chsten Tagen, sprechen in allen Gemeinden freiwillige Helfer und Helferinnen vor, um diese Sachen abzuholen.&nbsp; Alles in der Gemeinde Gespendete bleibt in der Gemeinde zur Verteilung.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Wir vertrauen auf Eure Gebefreudigkeit!\u00a0\u00a0 DARUM GEBT GERNE!Wir wollen Weihnachten gemeinsam feiern!Unsere Freude wird dadurch gr\u00f6\u00dfer sein!<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Gie\u00dfen, 3. Dez. 1946<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Der Landrat: Benner&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Der Fl\u00fcchtlingskommissar:&nbsp; Forschler<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Diese 3 Ver\u00f6ffentlichungen lassen nur ann\u00e4hernd ahnen, wie dramatisch die Lebensumst\u00e4nde damals waren.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Es waren gro\u00dfe Herausforderungen, die im Nachkriegsdeutschland von der Bev\u00f6lkerung und den Kommunen zu bew\u00e4ltigen waren.&nbsp; Wie gro\u00df die Not auch hier in Allendorf war, m\u00f6chte ich an einigen Zahlen deutlich machen.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Die Kernstadt Allendorf hatte zu Beginn des Jahres 1946 rd. 1800 Einwohner. Im Laufe des Jahres 1946 wurden etwa 510 Heimatvertriebene und Fl\u00fcchtlinge zur Unterbringung und Versorgung zugewiesen, sodass die Gesamteinwohnerzahl sich auf rd. 2300 erh\u00f6hte. Nach einer Statistik fehlten 182 Wohnungen.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Es konnte kurzfristig kaum zus\u00e4tzlichen Wohnraum geschaffen werden. Die Neub\u00fcrger mussten in den vorhandenen H\u00e4usern unterkommen. Die Wohnraumbewirtschaftung machte es m\u00f6glich, dass der B\u00fcrgermeister gegen den Willen der Hauseigent\u00fcmer Zwangseinweisungen aussprechen konnte.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Wie wir uns sicher vorstellen k\u00f6nnen, waren dies die schlechtesten Voraussetzungen f\u00fcr das enge Zusammenleben der Betroffenen, die oft zuheftigen Auseinandersetzungen f\u00fchrten.\u00a0Aber trotz allem, die Integration gelang!<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Die Heimatvertriebenen und Fl\u00fcchtlinge f\u00fcgten sich schnell in die Dorfgemeinschaft ein. Sehr bald entwickelte sich ein verst\u00e4ndnisvolles Miteinander. Die Evangelische Kirchengemeinde stimmte einer Nutzung ihrer Kirche durch die katholischen Christen zu. Dies war durchaus nicht allerorts \u00fcblich.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Die Neub\u00fcrger bereicherten das kulturelle Leben in Allendorf. So richteten sie beispielsweise Faschingsb\u00e4lle in der Volkshalle aus, die die Einheimischen in dieser Form nicht kannten und von denen noch heute berichtet wird.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Bald entspannte sich auch die Wohnungsnot. Bereits in den Jahren 1952 -1954 errichteten die Heimatvertriebenen die ersten 10 Wohnh\u00e4user im Westerfeld (untere Waldstra\u00dfe), f\u00fcr die die Stadt den Neub\u00fcrgern das Bauland und das Bauholz aus dem Stadtwald kostenlos zur Verf\u00fcgung<\/em><\/strong> <strong><em>stellte.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Flucht und Vertreibung der Deutschen am Ende des Zweiten Weltkrieges war die weltweit gr\u00f6\u00dfte demografische Umw\u00e4lzung des 20. Jahrhunderts und eine der gr\u00f6\u00dften der Geschichte \u2013 auch in Allendorf.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Deshalb ist es unser Auftrag, an das Leiden der Heimatvertriebenen und Fl\u00fcchtlinge zu erinnern.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Erinnern und Verstehen muss in einer Welt, in der heute noch und wieder Millionen von Menschen heimat- und damit hoffnungslos sind, eine europ\u00e4ische Gemeinschaftsaufgabe werden. Nur so kann ein friedliches Zusammenleben auch der k\u00fcnftigen Generation gesichert werden.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Unsere Meinung ist:<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Vertreibungen sind Unrecht \u2013 gestern und heute !<\/em><\/strong><strong><em>Neue Heimat in Allendorf gefunden<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-medium\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"300\" height=\"180\" data-id=\"1209\" src=\"https:\/\/heimatmuseum-allendorf.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Heerstrasse-mit-Haeuser-der-Heimatvertriebenen-Aufnahme-1950er-Ja-300x180.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1209\" srcset=\"https:\/\/heimatmuseum-allendorf.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Heerstrasse-mit-Haeuser-der-Heimatvertriebenen-Aufnahme-1950er-Ja-300x180.jpg 300w, https:\/\/heimatmuseum-allendorf.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Heerstrasse-mit-Haeuser-der-Heimatvertriebenen-Aufnahme-1950er-Ja-1024x615.jpg 1024w, https:\/\/heimatmuseum-allendorf.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Heerstrasse-mit-Haeuser-der-Heimatvertriebenen-Aufnahme-1950er-Ja-768x461.jpg 768w, https:\/\/heimatmuseum-allendorf.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Heerstrasse-mit-Haeuser-der-Heimatvertriebenen-Aufnahme-1950er-Ja.jpg 1259w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"744\" height=\"1024\" data-id=\"1210\" src=\"https:\/\/heimatmuseum-allendorf.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Herzogwald-Patenschaftsurkunde-b-rotated.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1210\" srcset=\"https:\/\/heimatmuseum-allendorf.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Herzogwald-Patenschaftsurkunde-b-rotated.jpg 744w, https:\/\/heimatmuseum-allendorf.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Herzogwald-Patenschaftsurkunde-b-218x300.jpg 218w\" sizes=\"auto, (max-width: 744px) 100vw, 744px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"716\" height=\"1024\" data-id=\"1208\" src=\"https:\/\/heimatmuseum-allendorf.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Herzogwald-Patenschaftsurkunde-a.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1208\" srcset=\"https:\/\/heimatmuseum-allendorf.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Herzogwald-Patenschaftsurkunde-a.jpg 716w, https:\/\/heimatmuseum-allendorf.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Herzogwald-Patenschaftsurkunde-a-210x300.jpg 210w\" sizes=\"auto, (max-width: 716px) 100vw, 716px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" data-id=\"1211\" src=\"https:\/\/heimatmuseum-allendorf.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Herzogwald-Plakete-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1211\" srcset=\"https:\/\/heimatmuseum-allendorf.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Herzogwald-Plakete-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/heimatmuseum-allendorf.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Herzogwald-Plakete-300x225.jpg 300w, https:\/\/heimatmuseum-allendorf.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Herzogwald-Plakete-768x576.jpg 768w, https:\/\/heimatmuseum-allendorf.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Herzogwald-Plakete-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/heimatmuseum-allendorf.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Herzogwald-Plakete-2048x1536.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n<\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dem einen oder anderen Gast des B\u00fcrgerstreffs Allendorfer Altstadt istsicherlich die Bronzetafel an der westlichen Fassade aufgefallen. 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