{"id":437,"date":"2024-10-28T07:57:07","date_gmt":"2024-10-28T06:57:07","guid":{"rendered":"https:\/\/heimatmuseum-allendorf.de\/?p=437"},"modified":"2024-10-28T07:57:07","modified_gmt":"2024-10-28T06:57:07","slug":"vom-allendorfer-nikelsmarkt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/heimatmuseum-allendorf.de\/?p=437","title":{"rendered":"Vom Allendorfer Nikelsmarkt"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Anl\u00e4sslich des bevorstehenden Nikelsmarktes haben wir in alten Nikelsmarktunterlagen des Museums gest\u00f6bert. Den Schwerpunkt haben wir in dieses Mal auf das Jahr 1949 gelegt. Es wird also der Nikelsmarkt vor 75 Jahren beschrieben.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Im Gie\u00dfener Anzeiger vom 5.11.1949 ist folgendes zu lesen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u201eNach den hinter uns liegenden Jahren der Not und Entbehrung schickt sich die Stadt Allendorf an der Lumda an, am 9. und 10. November zum ersten Male wieder in beinahe friedensm\u00e4\u00dfiger Weise den traditionellen Nikelsmarkt zu begehen. &nbsp;&nbsp;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Verwaltung des r\u00fchrigen St\u00e4dtchens im sch\u00f6nen Lumdatal hat keine M\u00fche gescheut, um den Nikelsmarkt entsprechend seiner \u00fcberlieferten Bedeutung auszurichten. Das Programm ist durch eine Reihe zus\u00e4tzlicher Veranstaltungen erweitert worden, die die Anziehungskraft auf Einheimische und Fremde nicht verfehlen werden. Wie auch in den fr\u00fcheren Jahren werden die Nachbarn aus dem Lumdatal und der Rabenau sowie aus dem Busecker Tal und dem Ebsdorfer Grund gastliche Aufnahme finden. Aber auch von Gie\u00dfen, Gr\u00fcnberg, Lollar und Marburg erwartet Allendorf an diesen Tagen regen Zustrom von G\u00e4sten, die durch ihren Besuch ihre Verbundenheit mit der aufstrebenden Gemeinde unter Beweis stellen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Einwohnerzahl der Stadt Allendorf an der Lumda hat sich durch die Zeitumst\u00e4nde seit der letzten Volksz\u00e4hlung im Jahre 1935 um rund 800 vermehrt und betr\u00e4gt jetzt 2230 Personen. Unter den neu Hinzugekommenen befinden sich wie \u00fcberall zahlreiche Neub\u00fcrger aus dem Osten, die sich inzwischen in das kulturelle und wirtschaftliche Leben der Stadt eingef\u00fcgt haben. Ihnen wird nachstehende Schilderung aus einer alten Chronik \u00fcber die Geschichte der Stadt und des Nikelsmarktes manches Wissenswerte vermitteln:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Allendorf kommt schon im Jahre 786 vor und geh\u00f6rt wohl mit zu den \u00e4ltesten Besitzungen der Landgrafen von Hessen. Es war schon im Jahre 1323 unter Landgraf Otto I., Sohn Heinrich I., ein Flecken und wurde am 2. M\u00e4rz 1370 von Landgraf Heinrich II. zur Stadt erhoben. Er befreite damals die Einwohner der Stadt von sechs Jahren Beed, Dienst und Schatzung, unter der Bedingung, da\u00df sie eine bestimmte Summe zur Befestigung der Stadtmauer verwenden sollten. Marktrechte besa\u00df der fr\u00fchere Marktflecken Allendorf schon im Jahre 1365. Damals wurde jeden Mittwoch ein sog. Wochenmarkt abgehalten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Genaue Angaben \u00fcber die Entstehung des Nikelsmarktes k\u00f6nnen leider nicht gemacht werden, da alle \u00e4lteren diesbez\u00fcglichen Urkunden durch die schweren Br\u00e4nde, von denen unsere Stadt \u00f6fters heimgesucht wurde, vernichtet worden sind. Einwandfrei steht aber fest, da\u00df der Markt schon auf ein ehrw\u00fcrdiges Alter von einigen hundert Jahren zur\u00fcckblicken kann. In fr\u00fcheren Jahren wurde der Nikelsmarkt allj\u00e4hrlich Anfang Dezember abgehalten. Man wollte hierdurch auch dem Landwirt, der mit viel M\u00fche und Schwei\u00df bis dahin seine Feldfr\u00fcchte eingescheuert und seine Winteraussaat beendet hat, Gelegenheit geben, den Markt in aller Ruhe besuchen zu k\u00f6nnen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Anmerkung: Seit Jahrzehnten bestimmt den Termin des Nikelsmarktes der 1. Mittwoch im November.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Hieraus d\u00fcrfte auch die Bezeichnung \u201cNikelsmarkt\u201c hergeleitet werden, weil bekanntlich Anfang Dezember (am 6.) der Nikolaustag, im Volksmund kurz Nikelstag genannt, ist. Schon von jeher standen in Allendorf \u2013 dank dem Flei\u00df der Bev\u00f6lkerung \u2013 neben der Landwirtschaft &#8211; Handel und Gewerbe in Bl\u00fcte. Hieran vermochten auch die mannigfachen schweren Tr\u00fcbsale, wie die gr\u00f6\u00dferen Br\u00e4nde und feindlichen Kriegsz\u00fcge, von den Allendorf im 16., 17. und 18. Jahrhundert \u00f6fters heimgesucht wurde, nichts zu \u00e4ndern. Auch heute noch sind neben Landwirt- und Kaufmannschaft alle sonstigen Gewerbezweige vertreten, und diese haben auch diesmal wieder, wie in den Vorkriegsjahren, eifrig Vorbereitungen getroffen, damit jeder Marktbesucher zufriedengestellt werden kann.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Neben dem reichbeschickten Kr\u00e4mermarkt, der sich durch die Markt- und Bahnhofstra\u00dfe bis zur Stadthalle erstrecken wird, schlie\u00dft sich ein ausgedehnter Juxplatz f\u00fcr jung und alt an.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Allendorfer Heimatabend als Auftakt zum Nikelsmarkt<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Zum ersten Male findet dieses Jahr am Vorabend des Nikelsmarktes ein gro\u00dfer <\/strong><strong><u>Allendorfer Heimatabend<\/u><\/strong><strong> <\/strong><strong>statt, an dessen Ausgestaltung der Turn- und Sportverein und eine Abteilung des Handharmonika-Orchesters beteiligt sein werden. B\u00fcrgermeister Schwarz wird hierbei in einer Ansprache den Markt offiziell er\u00f6ffnen. Der tiefere Sinn dieses Abends liegt darin, den Heimatvertriebenen ein Bild von dem kulturellen Leben der Stadt zu vermitteln und die Verbundenheit mit der neuen Heimat zu festigen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Mit der Hissung der Stadtfahne, die auf einem unserer Bilder zu sehen ist, wird am Mittwoch das Zeichen zum Anfang des Marktbetriebes gegeben. Von 8 bis 9 Uhr beginnt der Auftrieb zum Viehmarkt. Nach den bis jetzt vorliegenden Berichten wird auch hier mit einem regen Betrieb zu rechnen sein. In der Mittagszeit von 12 bis 13 Uhr findet ein Platzkonzert auf der Marktstra\u00dfe statt. Dann beginnt um 15 Uhr der Festbetrieb mit allerhand Volksbelustigungen in der sch\u00f6n geschm\u00fcckten Stadthalle. Die bekannte Musikkapelle Schreiner aus Alten Buseck wird zum Tanze aufspielen. Wir sind gewi\u00df, da\u00df das frohe Treiben bei diesem Volksfest gro\u00dfe Anziehungskraft besonders auf die Jugend aus nah und fern aus\u00fcben wird.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Rinderschau und Maschinenausstellung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Der Donnerstagvormittag sieht eine Bezirks-Rinderschau und Pr\u00e4mierung vor. Die erstklassigen Tiere der Z\u00fcchter des hessischen Fleckviehs werden das Interesse aller Sachkenner auf sich lenken. Mit der Rinderschau ist eine Ausstellung landwirtschaftlicher Ger\u00e4te und Maschinen verbunden, an der sich namhafte deutsche Spezialfirmen und einheimische Unternehmen beteiligen. Der gro\u00dfe Wert dieser Lehrschauen liegt in der einmaligen Gelegenheit, die einzelnen Erzeugnisse miteinander zu vergleichen und in aller Ruhe die Arbeitsweise und Zweckm\u00e4\u00dfigkeit f\u00fcr die Arbeitsweise und die jeweiligen Belange des Interessenten bei der praktischen Vorf\u00fchrung zu beobachten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Durchf\u00fchrung der Pr\u00e4mienschau obliegt dem Tierzuchtamt Gie\u00dfen, dessen Leiter Herr Dr. Franke sich wiederholt sehr anerkennend \u00fcber die Fortschritte der Zucht im Lumdatal ge\u00e4u\u00dfert hat. Die Stadt Allendorf hat wertvolle Preise f\u00fcr die Sieger der einzelnen Kategorien ausgesetzt.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>F\u00fcr alles ist gesorgt!<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Allendorfer Gastst\u00e4tten, seit jeher bekannt f\u00fcr ihre ausgezeichnete K\u00fcche und die G\u00fcte ihrer Getr\u00e4nke, werden den Besuchern das Beste aus K\u00fcche und Keller bieten. Ab 10 Uhr ist auch in der Stadthalle Gelegenheit f\u00fcr einen Fr\u00fchschoppen gegeben. Nachmittags beginnt wieder in der Stadthalle das Volksfest, das alle Marktbesucher nochmals zu einem harmonischen Ausklang des diesj\u00e4hrigen Nikelsmarktes vereinen wird.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Besonders sei darauf hingewiesen, da\u00df die Eisenbahn im Umkreis von 35 km Sonntagsr\u00fcckfahrkarten mit einer eint\u00e4gigen G\u00fcltigkeit am 9. und 10. November ausgibt. Damit ist alles getan, um diese Tage in jeder Hinsicht zu einem bedeutenden Ereignis werden zu lassen, und es ist zu hoffen, da\u00df auch das Herbstwetter zum erfolgreichen Verlauf des Marktes beitragen wird. Die mutige Initiative der Stadt verdient jedenfalls volle Anerkennung.\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Das nachstehende Gedicht in dem Nikelsmarktbericht von 1949 beschreibt die Bedeutung des Nikelsmarktes f\u00fcr die Bewohner von Allendorf und Umgebung.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u201eZum Allendorfer Nikelsmarkt<\/strong> <strong>Von Urgro\u00dfvatters Zeite her,<\/strong> <strong>werd Nikkelsm\u00e4\u00e4rt gehaale,<\/strong> <strong>do freue sich schu lang vorher<\/strong> <strong>die Junge w\u00e4i die Aale.<\/strong> <strong>For die Andorfer is de schinste Doag<\/strong> <strong>en alles hot vierher gerest,<\/strong> <strong>en selbst die Grinscher feue sich<\/strong> <strong>als gings zum gri\u00dfte Fest.<\/strong> <strong>Punkt oacht do gitt de Viehm\u00e4\u00e4t o<\/strong>, <strong>den derf mer net verpasse<\/strong> <strong>mit Firkil, Schoof en Rinner<\/strong> <strong>vo alle Sort en Rasse.<\/strong> <strong>Das Vieh, doas is je schnell verkauft<\/strong> <strong>woas ehner hu wollt hot er kritt<\/strong> <strong>mer gitt jetzt of de Kr\u00e4merm\u00e4\u00e4t<\/strong> <strong>do is schun viel Betrieb.<\/strong> <strong>Vo Kleins-Haus bis enof zum Stiewel<\/strong> <strong>stieht Staad o Staad en Desch o Desch<\/strong> <strong>do sei die Kerb mit M\u00e4\u00e4tweck<\/strong> <strong>w\u00e4i riche d\u00e4i so fresch. Von Andorf die Gesch\u00e4ftsleu all<\/strong> <strong>sei ziemlich st\u00e4rk vertr\u00e4re<\/strong> <strong>was d\u00f6i all b\u00e4ire, gl\u00e4bt mer nie<\/strong> <strong>d\u00e4i sei em Handwerk of de Hih.<\/strong> <strong>Die M\u00e4etzger doas sei Spezialiste<\/strong>. <strong>\u00c4hr Fl\u00e4schwerscht d\u00e4i is wohlbekaat<\/strong> <strong>w\u00e4i d\u00e4i is gibts ke besser Werscht<\/strong> <strong>im gaze Hesselaad.<\/strong> <strong>Die Wirte d\u00e4i hu Hochbetrieb<\/strong> <strong>in jedem Saal do ist Klamauk<\/strong> <strong>do hert met schu vo weirm<\/strong> <strong>des Ba\u00dfhorn en die Pauk.<\/strong> <strong>Keen Mensch kann sa: ech kann n\u00e4it hie.<\/strong> <strong>Andorf leit jo so noh<\/strong> <strong>Es foahn Euch hie f\u00fcr wenig Geld<\/strong> <strong>Autos en Eiseboh.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>(Karl Bertram)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Ausgestaltung des Nikelsmarktes und das Nikelmarktprogramm hat sich im Laufe der Jahrzehnte ver\u00e4ndert und wurden an die Bed\u00fcrfnisse angepasst. Wurde im Jahre 1949 erstmals der Heimatabend eingef\u00fchrt, der seit diesem Jahr fester Bestandteil des Nikelsmarktes ist, kann man aber auch feststellen, dass der Krammarkt seinerzeit an zwei Tagen, jeweils mittwochs und donnerstags, stattfand.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die guten W\u00fcnsche f\u00fcr die Nikelsmarkttage am 7., 8. und 9. November 1949 m\u00f6gen sich auch bei dem diesj\u00e4hrigen Nikelsmarkt in Erf\u00fcllung gehen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/heimatmuseum-allendorf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/Nikelsmarkt-2024-1949-e-967x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-438\"\/><\/figure>\n\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anl\u00e4sslich des bevorstehenden Nikelsmarktes haben wir in alten Nikelsmarktunterlagen des Museums gest\u00f6bert. Den Schwerpunkt haben wir in dieses Mal auf das Jahr 1949 gelegt. Es wird also der Nikelsmarkt vor 75 Jahren beschrieben. 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